Die Rechtfertigungsversuche, mit denen sich die Verantwortlichen für die Verbrechen des NS-Regimes nach dem Krieg herauszureden versuchten, wurden von Zeithistorikern als „plausible Dementis“ bezeichnet. Auch die Angeklagten im Nürnberger Ärzteprozess, allen voran Hitlers Begleitarzt Karl Brandt, versuchten ihre Beteiligung an den „Euthanasie“-Morden oder den Menschenversuchen in den Konzentrationslagern zu kaschieren. So hatte das US-amerikanische Militärgericht in Nürnberg 1946/47 zunächst Mühe, die Verstrickung Brandts in die massenhafte Ermordung Geisteskranker zu beweisen. Der weitere Verlauf des Prozesses ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass in Nürnberg kein Mitläufer und schon gar kein Unschuldiger zum Tod verurteilt worden ist.
Umso bestürzender ist es, wenn man erfährt, wie viele durchaus namhafte Personen damals ein Gnadengesuch für den Hauptbeschuldigten im Nürnberger Ärzteprozess einreichten – wenn auch bekanntlich ohne Erfolg. Als Winifred Wagner, die Schwiegertochter Richard Wagners, 1947 erfuhr, dass die Alliierten Brandt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch den Strang verurteilt hatten, zeigte sie sich schockiert: „Was war das für ein netter, anständiger Kerl, und wie muss er nun für Dinge büßen, die er vertreten musste.“ Was jedoch hinter der Fassade Brandts steckte, der sich gern als intelligenten, kultivierten und idealistischen Menschen stilisierte, das belegen die Hunderte von Aktenordnern umfassenden Prozessakten. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 04/2013.
Prof. Dr. Robert Jütte





