Woran erinnern Sie sich besonders?
41 Willy Brandts mutige Geste Im Dezember reist Bundeskanzler Willy Brandt zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrags, der die Beziehungen zwischen Polen und der Bundesrepublik normalisieren soll, nach Warschau. Am 7. Dezember besucht die deutsche Delegation das an den Aufstand im Warschauer Ghetto (1943) erinnernde Mahnmal. Brandt legt einen Kranz nieder. Plötzlich sinkt er vor dem Mahnmal auf die Knie, verharrt sekundenlang demütig schweigend. Diese Geste, laut Brandt völlig ungeplant aus einem spontanen Gefühl heraus entstanden, überrascht alle. Der erste Besuch eines deutschen Kanzlers in Polen seit dem Zweiten Weltkrieg wird zum Symbol der Versöhnung und zu einem der Wendepunkte im Verhältnis von Ost und West.
42 Nobelpreis für Milton Friedman 1976 erhält der US-amerikanische Ökonom Milton Friedman (1912 – 2006) den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Friedman gilt als einer der bedeutendsten Wirtschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts, als Verfechter der freien Marktwirtschaft und größtmöglicher politischer und gesellschaftlicher Freiheit. Die US-Regierungen unter Richard Nixon und Ronald Reagan werden stark von seinen Theorien beeinflusst, auf seinen Rat geht die Einführung flexibler Wechselkurse Anfang der 1970er Jahre zurück.
43 Ende des Vietnam-Kriegs Im März 1975 stehen nordvietnamesische Truppen vor Saigon. Die verbliebenen US-Militärs sind von dem raschen Vormarsch völlig überrascht. Hastig wird die Evakuierung der letzten amerikanischen Militärbasen in Vietnam eingeleitet. Damit geht ein Krieg zu Ende, der in zehn Jahren rund drei Millionen Menschen das Leben gekostet hat, darunter zwei Millionen Zivilisten. Noch Jahre nach dem Waffenstillstand erkranken zahllose Menschen infolge der chemi‧schen Angriffe durch die US-Luftwaffe, rund 500 000 Kinder werden mit Fehl‧bildungen geboren. Die US Army verliert 58 000 Soldaten. Am 1. Mai 1975 endet der Vietnam-Krieg mit dem Einmarsch der Kommunisten in Saigon.
44 Geiseldrama von Gladbeck 16. August 1988. Zwei Männer nehmen nach einem gescheiterten Banküberfall in Gladbeck (Nordrhein-Westfalen) zwei Menschen als Geiseln und flüchten zwei Tage lang quer durch Deutschland und die Niederlande, bringen dabei noch weitere Geiseln in ihre Gewalt. Im Verlauf der Flucht erschießt einer der Männer eine Geisel, einen 15-jährigen Italiener. Während der Verfolgung stirbt ein Polizist bei einem Unfall. Nachdem in den Niederlanden bis auf zwei Frauen alle Geiseln freigelassen worden sind, kehren die Geiselnehmer nach Deutschland zurück. Nach einem heftigen Schusswechsel mit der Polizei, wobei eine weitere Geisel von einem der Entführer getötet wird, gelingt die Festnahme. Was den Fall Gladbeck bis heute unfassbar macht, ist das Verhalten der berichtenden Medien. Während der gesamten Flucht begleiten zahllose Reporter die Entführer, interviewen diese sowie die Geiseln in regelrechten Pressekonfe‧renzen, inszenieren dramatische Bilder, selbst Nahaufnahmen des sterbenden 15-Jährigen. Den Entführern wird eine Bühne zur Selbstdarstellung geboten.





