Ausgerechnet Virchow, ansonsten ein erbitterter Gegner Bismarcks, unterstützte vorbehaltlos dessen Kulturkampfpolitik, die sich letztlich gegen den Einfluss des Papstes richtete. Virchow sah einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft, in dem es um den kulturellen Führungsanspruch ging. Lange Zeit sei die Kirche der wahre Träger einer „allgemeinen humanen Kultur“ gewesen. Nun aber erblickte er in ihr nur noch Dogmatismus, Stagnation und Verdunkelung. In seinem liberalen Fortschrittsdenken sollte fortan die Wissenschaft den Kulturauftrag übernehmen, um die Entwicklung der Menschheit voranzubringen.





