Warnungen vor “geistigen Bombenlegern” und “Konsumterror” oder Slogans wie “Wir wollen billiger wohnen, baut weniger Kanonen”: Solche zugespitzten und im Wortsinn “plakativen” Botschaften zeichnen die Plakate der späten 1960er Jahre aus, von denen sich viele Hundert in der Sammlung des LWL-Landesmuseums befinden. Sie spiegeln den Zeitgeist um 1968 wider und drehen sich vor allem um die sogenannten “Studenten-Unruhen” und deren kulturelles Umfeld.
Einige der in der Plakatsammlung konservierten Exponate weisen Gebrauchsspuren auf, die die Spannung und Hektik jener Jahre verdeutlichen, etwa, wenn Plakate schichtenweise übereinander geklebt wurden. Solche Zeitzeugnisse entstanden oft über Nacht für den politischen Tageskampf und wurden meist nicht gezielt gesammelt, sondern sind durch Zufall und frühe Sammelleidenschaft erhalten geblieben.
“Eine Besonderheit in der Sammlung des LWL-Landesmuseums sind Arbeiten der beiden wichtigsten Plakatentwerfer der Zeit, Klaus Staeck und Ernst Volland. Diese Plakate zeigen die leidenschaftliche Dynamik des Aufbruchs dieser Zeit wie keine andere Kunstgattung”, sagte Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold. Jeweils etwa 50 Arbeiten von Volland und Staeck zu fast allen Themen befinden sich im LWL-Landesmuseum. Zudem sind viele der Plakate Vollands vom Künstler datiert und signiert.
Die erste Ausstellung “Münster – Mehr als ein Nebenschauplatz” (20. Januar bis 1. Mai 2011) bildet den Einstieg in die ’68er-Bewegung, die in Münster in engem Zusammenhang mit einer der schon damals größten Hochschulen der Bundesrepublik, der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU), steht. Plakate aus der “Studentenrevolte” werden in die aufflammenden, lange aufgestauten gesellschaftlichen Diskussionen eingebettet: Die Studierenden prangerten Missstände an, z. B. bei Themen wie Bildungsnotstand in Schule und Hochschule, Polizei-Gewalt, Notstandsgesetzen und dem Kampf gegen alte und neue Nazis. “Ihre Ziele waren eine breite gesellschaftliche Öffnung, gemäß der Forderung von Willy Brandt, mehr Demokratie zu wagen”, so Kurator Dr. Jürgen Krause.
Ausgehend von Münster wirft der zweite Teil “Globale Protestkulturen” (19. Mai bis 21. August 2011) den Blick über die Landesgrenzen hinaus. Neue Protestformen entwickelten die schwarze Bürgerrechts-Bewegung und die Studentenrevolte in den USA (z. B. Berkeley): Sie besetzten Universitäten bei “Go-Ins” und “Teach-Ins” oder riefen zum “Marsch auf Washington” auf. Deutsche Studierende nutzten die amerikanischen Bewegungen als Vorbild und planten den “Marsch auf Bonn”. Im Pariser Mai ’68 entstanden häufig spontan Plakate, etwa im stilprägenden “Atelier Populaire” und dem Satire-Organ “Enragé”.
Wichtige Schauplätze für die Solidarität der “Neuen Linken” mit der “Dritten Welt” waren Vietnam, Lateinamerika, die Befreiungsbewegungen gegen US-gestützte Diktatoren und der Nahost-Konflikt, in dem die Parteinahme für die palästinensische PLO im Vordergrund stand. Bemerkenswert ist dabei die erstmals (fast schon) globale Vernetzung der Protest-Bewegungen.





