Am 6. August 1950 trafen sich rund 300 junge Menschen unweit des deutsch-französischen Grenzübergangs zwischen St. Germanshof (Rheinland-Pfalz) und Wissembourg (Elsass). Sie waren aus zahlreichen Ländern Westeuropas angereist. Nachdem eine Berner Studentin die Grenzbeamten mit einem vorgetäuschten Schwächeanfall abgelenkt hatte, stürmten die bekennenden Europäer den Grenzübergang, rissen Grenzpfähle aus und demontierten den Grenzbalken. Mit Europaflaggen bewaffnet und um einen Scheiterhaufen aus Grenzbefestigungen versammelt, forderten sie in einer mehrsprachigen Proklamation ein europäisches Parlament, eine europäische Regierung und eine gemeinsame Kennkarte in Europa. Auch der damalige Pfälzer Abiturient Helmut Kohl räumte nach eigener Auskunft 1950 gemeinsam mit anderen Schülern und Studenten „symbolisch die Zollschranken an der Grenze zwischen der Pfalz und dem Elsass“ beiseite.
Die Aktion in St. Germanshof sorgte für Aufmerksamkeit, denn in den nachfolgenden Tagen traf sich der Europarat im neueröffneten Straßburger Europahaus. Jüngst aufgenommenes Mitglied war die Bundesrepublik, Nachfolgestaat des erst fünf Jahre zuvor besiegten NS-Deutschland. Das Entfernen von Grenzbefestigungen hatte außerdem eine symbolische Bedeutung: Für die Aktivisten bildeten die Grenzzäune Hürden für eine friedliche europäische Annäherung nach dem Zweiten Weltkrieg. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 6/2015.
Dr. Angela Siebold





