Anno 1192 kehrte der edelfreie Otto von Linn nach der Teilnahme am Dritten Kreuzzug im Gefolge Kaiser Friedrich Barbarossas in seine Wasserburg am Niederrhein zurück. Im Gepäck hatte er eine Vision. Denn im Heiligen Land, in Syrien und vielleicht auch Judäa, hatte der Adelsspross etwas ganz Neues kennengelernt: steinerne Festungsbauten auf sechseckigem Grundriss mit vorspringenden Ecktürmen.
Kühn beschloss Otto, dass sein Stammsitz in Linn, ein Lehen des Erzbischofs von Köln und bis dato eine einfache Holzpalisadenfestung, künftig auch so aussehen sollte. Aufgrund eher magerer Mittel erfolgte der Ausbau zu einer modernen Ringmauer nur schrittweise und war noch in vollem Gange, als Otto um 1220 im Alter von etwa 50 Jahren zur letzten Ruhe gebettet wurde.
Vollendet wurde die Mauer von seinem Sohn Gerhard, der auch den ersten Vollturm (Batterieturm) errichten ließ. Der sechseckige Grundriss nach byzantinischem Vorbild, der es Otto so angetan hatte, war zur Entstehungszeit nicht nur in Linn (heute Krefeld-Linn), sondern in ganz Europa noch sehr ungewöhnlich. Bis heute ist er das absolute Alleinstellungsmerkmal der Burg Linn im Burgenbau am Niederrhein. Nach Gerhards Tod sorgten zunächst die Grafen von Kleve dafür, dass das Gebäude unter anderem durch eine mächtige Toranlage, den Palas mit den Rittersälen sowie den Hauptturm weiter ausgebaut und gesichert wurde.
Der hochmittelalterliche Adelssitz, zwischenzeitlich eine Ruine, gilt heute als besonders gut erhalten; auch dank der Initiative des Krefelder Industriellen Isaak de Greif, welcher die Burganlage 1806 zu dem Zweck erwarb, „dieses schöne Denkmal der Vorzeit“ vor dem Verfall zu bewahren.
Beim Rundgang durch das Museum öffnen sich den Besuchern große Säle und kleine Kammern und Stuben, lange Gänge und enge Wendeltreppen. In den erst kürzlich neu konzipierten Schauräumen wird anschaulich über das Leben in einer mittelalterlichen Burg informiert.
„Hygiene im Mittelalter“ ist einer der Themenbereiche, in denen mit gängigen Klischees aufgeräumt wird. Hier befindet sich ein nur sehr selten erhaltener Toilettendeckel aus Holz. Das kuriose Fundstück war einst Bestandteil eines gemauerten Aborts in Krefeld-Erfrath. Hier wie andernorts landeten die Hinterlassenschaften seiner Benutzer im Burggraben. Pachtbauern durften aber, sogar vertraglich geregelt, die herrschaftlichen Fäkalien regelmäßig zur Düngung ihrer Felder verwenden. Somit dürfte sich die berüchtigte Geruchsbelästigung in Grenzen gehalten haben.
Weitere Themen in den mit teils kostbaren Exponaten ausgestatteten Räumen kreisen um Religion im Mittelalter und Otto von Linn, dessen 1989 ausgegrabene Gebeine in der Burgkapelle ausgestellt sind, in deren Ecken sich noch Spuren der alten Ausmalung erhalten haben. Ausführlich eintauchen kann man außerdem in die Baugeschichte, die Zeit der Gotik, die Burgküche, das Ritter- und Turnierwesen. Ein besonderer Höhepunkt ist das Pferd mit Rüstung im sogenannten Barocksaal.





