Ackerbau und Viehzucht prägten den Lebensalltag der meisten Menschen der Antike, und das gilt auch für die Zeit der ausgehenden späten Bronze- und frühen Eisenzeit Griechenlands, jener Periode, die zwischen dem Ende der mykenischen Paläste und dem Zeitalter Homers einzuordnen ist und traditionell als das Dunkle Zeitalter bezeichnet wird (1200–700 v. Chr.). Auch wenn die landwirtschaftliche Produktion in erster Linie auf die Deckung des Eigenbedarfs ausgerichtet war, gab es doch spezialisierte Handwerker und Berufe, gesellschaftliche Hierarchien und wirtschaftliche Unternehmungen, die über den unmittelbar vorgegebenen Lebensraum hinausreichten und Kontakte mit zum Teil weit entfernten Regionen herstellten. In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Forschung das Bild des wirtschaftlich stagnierenden und sozial undifferenzierten Griechenland, das nach dem Fall der mykenischen Paläste um 1200 ohne Außenkontakte ausschließlich landwirtschaftlich orientiert war, deutlich verändert.
Doch beginnen wir von vorn: Kein Zweifel kann an der politischen, sozialen und ökonomischen Zäsur bestehen, die mit dem Zusammenbruch der mykenischen Palastherrschaft um 1200 einherging. Es war ein entscheidendes und unumkehrbares Ereignis von enormer Tragweite, das die Entwicklung der nachfolgenden Jahrhunderte bestimmte.
Bei den mykenischen Palästen hatte es sich um die Zentren staatlicher Strukturen gehandelt, die ihre engsten Parallelen in den zeitgleichen Staaten des Alten Orients besaßen. Mykenische Paläste lagen auf dem griechischen Festland in Mykene, Tiryns, Pylos und Theben, ein weiterer ist in Orchomenos in Boötien zu vermuten, auf Kreta gab es derartige Paläste in Knossos und Chania. Sie bildeten das obere Ende einer stark hierarchisch gegliederten Gesellschaft, an deren Spitze ein Herrscher stand. Ihm folgten Beamte und Funktionäre einer auf den Palast hin zentralisierten Verwaltung. Der Palast kontrollierte weitgehend das landwirtschaftlich genutzte Land, steuerte die industrielle Produktion von spezialisiertem Handwerk, etwa die Herstellung kostbarer Textilien, aufwendiger Möbel aus Elfenbein, die Produktion von parfümiertem Öl und die Fertigung wertvollen Schmucks aus Gold, Halbedelsteinen und blau gefärbtem Glas. In seinen Händen lag zudem die Kontrolle des regionalen und überregionalen Handels sowie der diplomatische Kontakt mit den Großreichen des Alten Orients, den Hethitern und Ägyptern.
Mit dem Zusammenbruch der mykenischen Paläste gingen nicht nur die diplomatischen Beziehungen zu den orientalischen Großreichen zu Ende, sondern auch das von orientalischen Vorbildern geprägte Wirtschaftssystem, die Verwaltung und die soziale Hierarchie. Es ist das Ende einer frühen Staatlichkeit auf dem Boden Griechenlands. Wer aber waren die Erben des mykenischen Palaststaats?





