Die Ausstellung unternimmt eine Reise durch die von Romantik und Nervenkitzel bestimmten Bildwelten nach Karl Mays Erzählungen – vom Wilden Westen über das Reich der Inka bis in den Vorderen Orient und nach China. Neben Buchillustrationen aus knapp 130 Jahren gibt es auch zahlreiche Objekte zu den beliebten Filmen mit Pierre Brice und Lex Barker zu sehen. Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist das echte Filmkostüm, das Pierre Brice als Winnetou getragen hat.
Wurden Karl Mays Texte bei den Erstabdrucken in Zeitschriften ab 1875 noch mit grafisch anspruchslosen Illustrationen bebildert, konnten für den Bildschmuck der Buchveröffentlichungen der Union Deutschen Verlagsgesellschaft ab 1890 und des Münchmeyer-Verlages ab 1900 versierte Maler und Grafiker gewonnen werden. Zwischen 1896 und 1902 trat der Schriftsteller auf knapp 100 Fotografien in Erscheinung, auf denen er sich als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi sowie als universalgebildeten Weltenbummler – umgeben von exotischen Reisetrophäen – inszenierte.
Die Wahrnehmung der Schriften Karl Mays wird bis heute vor allem von den “Grünen Bänden” der “Gesammelten Werke” bestimmt. Mit überarbeiteten Versionen der sogenannten “Reiseerzählungen” wurde diese Reihe 1892 vom Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld begonnen. Während diese Bände im Innenteil auf die Kraft der bildgewaltigen Sprache des Autors setzen und gänzlich auf Textillustrationen verzichten, sind die Einbände durchweg mit plakativen farbigen Titelbildern versehen. In ihren Motiven aus heutiger Sicht überraschend sind die symbolistischen Titelbilder des Jugendstilkünstlers Sascha Schneider aus den Jahren 1904 bis 1907, dessen verrätselte und pathetische Werke May selbst sehr schätzte. Von 1907 bis 1912 unternahm Fehsenfeld den Versuch, mit anspruchsvoll illustrierten Sonderausgaben ein noch größeres Leserinteresse auf die “Reiseerzählungen” zu lenken. Die stimmungsvollen und mitreißenden Illustrationen stammen von damals gefragten Buchkünstlern wie Ewald Thiel, Willy Moralt und dem jungen Claus Bergen.
Der 1913 gegründete Karl-May-Verlag übernahm vom Verlag Fehsenfeld die Sammelband-Edition und setzt sie bis heute weitestgehend in der ursprünglichen Buchgestaltung fort. Die Deckel-Motive wurden mehrfach ausgetauscht und von verschiedenen Künstlern entworfen. Bis heute prägend für die bildliche Vorstellung von Mays Erzählungen wurden die ikonenhaft wirkenden Titelbilder des schwedischen Malers Carl Lindeberg, der von 1916 bis in die 1950er Jahre für den Karl-May-Verlag als “Hauszeichner” tätig war.
In Deutschland lange Jahre völlig unbekannt blieben hingegen die dynamischen Illustrationen des Tschechen Zdeněk Burian, die ab den 1930er Jahren für May-Editionen in der damaligen Tschechoslowakei entstanden sind. Einen ironischen Blick auf den Kosmos Karl Mays bieten hingegen in jüngster Vergangenheit die Zeichnungen von Christian Moser und Peter Klier sowie die reizvollen Malereien von Michael Sowa, welche die Cover einer historisch-kritischen Taschenbusch-Ausgabe zu Beginn der 1990er Jahre zierten.





