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Geschichte & Archäologie
Von Aachen bis Wittenberg
In Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz hat die UNESCO insgesamt 45 Kultur-und Naturdenkmäler in ihre Welterbe-Listeaufgenommen – vom antiken Trier über das Weimar der Klassik bis hin zur Kulturlandschaft Wachau in Niederösterreich.
Kirchen und Klöster
Als erstes Bauwerk im deutschsprachigen Raum wurde 1978 der Aachener Dom in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Um 786 legte Karl der Große den Grundstein zu der Pfalzkapelle in seiner Lieblingsresidenz, die er zum „neuen Rom“ machen wollte. Der an das Oktogon der Pfalzkapelle anschließende gotische Chor wurde 1414 vollendet. Fast 600 Jahre lang, von 936 bis 1531, war der Aachener Dom die Krönungskirche der römisch-deutschen Könige. Kaiserlicher Glanz geht auch vom Dom zu Speyer aus, der 1981 zum Welterbe der Menschheit erklärt wurde (siehe Beitrag im Printheft).
Ganz im Zeichen des katholischen Volksglaubens steht die Wallfahrtskirche auf der Wies im oberbayerischen Pfaffenwinkel (1983), 1746 bis 1754 von Dominikus Zimmermann erbaut. Ursprünglich stand an dieser Stelle eine hölzerne Kapelle, doch als der Zustrom der Wallfahrer immer größer wurde, errichteten die Mönche des nahen Prämonstratenserklosters Steingaden das heutige Gotteshaus im Stil des Rokoko. Im Inneren überwältigt ein kaum zu überbietender Akkord an Farben und Stukkaturen.
Der Kontrast zu Dom und St. Michael in Hildesheim (1985) könnte kaum größer sein. Wie Aachen mit den Karolingern verbunden ist und Speyer mit den Saliern, so steht Hildesheim für die Zeit der Ottonen. Allerdings legten nicht die Herrscher den Grundstein für die beiden Bauten, sondern die Bischöfe von Hildesheim, die damit die eigene Macht dokumentieren wollten. Die auf einer Anhöhe gelegene Klosterkirche St. Michael wurde 996 begonnen. Ihre bemalte Holzdecke mit einer Darstellung des Stammbaums Christi ist ein Beispiel für die heute weitgehend verlorene Ausmalung romanischer Kirchen. Gut 50 Jahre jünger ist der Hildesheimer Dom.
Neben weltlichen und geistlichen Herrschern traten im Mittelalter vor allem Mönche als Bauherren auf. So nimmt es nicht wunder, wenn eine Reihe von Klöstern auf der UNESCO-Liste auftaucht: In der Reihenfolge ihrer Aufnahme sind dies Müstair, St. Gallen, Lorsch, Maulbronn und Reichenau. Müstair (Kanton Graubünden) ist eine von sechs Welterbe-Stätten der Schweiz. Ausgewählt wurde das Kloster an der Grenze zum Südtiroler Vintschgau vor allem wegen der karolingischen Fresken in der Klosterkirche. Der Plantaturm, in dem das Klostermuseum untergebracht ist, gilt als ältester Wohnturm des Alpenraums (siehe DAMALS 3-2005).
Ebenfalls in karolingische Zeit zurück reicht die Geschichte des 764 gegründeten Klosters Lorsch. Nur ein kleiner Teil seiner Gebäude ist erhalten, darunter die noch aus der Gründerzeit stammende Königs- oder Torhalle. Die ursprüngliche Funktion des Baus ist bis heute umstritten; die Interpretationen reichen bis zu einem ideengeschichtlich an die Antike anknüpfenden Triumphtor, was die prachtvolle Dekoration der Fas?sade erklären würde. Zu den bedeutendsten Klöstern des 9. bis 11. Jahrhunderts im römisch-deutschen Reich gehörten St. Gallen (Schweiz) und das Inselkloster Reichenau im Bodensee. Während sich dort noch reiche romanische Spuren finden (siehe Beitrag im Printheft), überwiegt in St. Gallen das barocke Bild. Weltbe-rühmt ist St. Gallen durch die Schätze seiner Bibliothek (siehe Beitrag im Printheft).
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In eine andere Zeit führt Maulbronn (Baden-Württemberg). Nirgendwo sonst in Deutschland hat sich zisterziensische Klosterarchitektur so vollständig erhalten. Mit dem Bau der Kirche wurde 1147 begonnen, die Gebäude stammen größtenteils aus dem 13./14. Jahrhundert. Beachtenswert: die Maßwerkfenster des hochgotischen Kreuzgangs. 1556 wurde die Abtei in eine evangelische Klosterschule umgewandelt, deren berühmtester Schüler Hermann Hesse war.
Seit 1986 ist Trier Welterbe-Stätte. Neben den römischen Baudenkmälern (siehe Beitrag im Printheft und Teaser online) wurden der Dom und die Liebfrauenkirche in die Liste aufgenommen. Damit wird berücksichtigt, daß Trier mit dem Untergang des Römischen Reiches nicht von der politischen Bildfläche verschwand: Der Erzbischof von Trier war einer der drei geistlichen Kurfürsten des römisch-deutschen Reichs. Der Dom steht dabei fast exemplarisch für diese Kontinuität, gehen seine ältesten Bauteile doch auf das 4. Jahrhundert zurück. Die Liebfrauenkirche gehört zu den frühesten gotischen Kirchen im deutschen Sprachraum.
Auch die großartigste Schöpfung der Gotik in Deutschland gehört zur Welterbe-Liste: der Kölner Dom. 632 Jahre wurde an dem Gotteshaus gebaut, das dennoch völlig einheitlich im Stil der französischen Gotik emporstrebt. „Am Kölner Dom“, so die Kunsthistorikerin Tina Weber, „gelangte der gotische Stil durch eine absolute Harmonisierung aller Bau- und Zierteile zu seiner reifsten Ausprägung“.
Städte und städtebauliche Ensembles
Lübeck, die „Königin der Hanse“, hat viel mehr zu bieten als das Holstentor, das früher den 50-Mark-Schein zierte: Die vom Wasser umschlossene Altstadtinsel mit dem historischen Stadtkern ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der Backsteingotik. Seit dem Mittelalter prägen sieben Kirchtürme die Silhouette der Stadt. Die berühmteste ist die Marienkirche (13./14. Jahrhundert), die zum Vorbild vieler Backsteinkirchen in Norddeutschland wurde.
Seit 2002 gehören die Hansestädte Stralsund und Wismar gemeinsam zum Welterbe der Menschheit. Die Begründung: Sie repräsentierten „idealtypisch die entwickelte Hansestadt während der Blütezeit des Städtebundes im 14. Jahrhundert“. Die historischen Stadtkerne haben ihren mittelalterlichen Grundriß nahezu unverändert bewahrt. Zu der erhaltenen mittelalterlichen Bausubstanz gehören nicht nur Kirchen, sondern auch Profanbauten wie der „Alte Schwede“ in Wismar, ein Bürgerhaus aus der Zeit um 1380, oder das Rathaus in Stralsund mit seiner prächtigen Schaufront (13./14. Jahrhundert).
In diese Reihe gehört auch Bremen mit Rathaus und „Roland“ (2004). Das ursprünglich gotische Rathaus erhielt Anfang des 17. Jahrhunderts eine prächtige Renaissancefassade, der über fünf Meter hohe Roland gilt als Symbol städtischer Freiheit.
Bamberg war die Lieblingsstadt Kaiser Heinrichs II. (siehe DAMALS 7-2002). Noch auf ihn selbst geht der Bau des ersten Doms zurück, der heutige Dom stammt aus dem 13. Jahrhundert. Darin befinden sich die Gräber Heinrichs und seiner Gemahlin Kunigunde sowie der berühmte Bamberger Reiter. Zahlreiche Barockbauten, wie die Neue Residenz, zeugen von der Rolle Bambergs als fürstbischöfliche Residenzstadt bis zum Ende des Alten Reichs.
Mit über 1200 Fachwerkbauten gehört Quedlinburg zu den besterhaltenen mittelalterlichen Städten Europas. In ottonischer Zeit war es das Machtzentrum des Reichs. Davon künden die Gebäude des einflußreichen Damenstifts auf dem Schloßberg. In der Stiftskirche St. Servatius (12. Jahrhundert) sind Kaiser Heinrich I. und Kaiserin Mathilde beige?setzt (siehe DAMALS 3-2005).
Die Reformation Martin Luthers war ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Dem zollte die UNESCO 1996 Respekt und nahm die Luther-Stätten in Wittenberg und Eisleben in ihre Welterbe-Liste auf. In Luthers Geburtshaus in Eisleben werden Leben und Werk des Reformators vorgestellt. In der Marktkirche St. Andreas, einer spätgotischen Hallenkirche, ist die Luther-Kanzel mit ihrem reichen Schmuck sehenswert.
Das eigentliche Wirkungszentrum Martin Luthers war aber Wittenberg, an dessen Schloßkirche er 1517 seine berühmten 95 Thesen geschlagen haben soll. Die spätgotische Kirche gehört zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Luthers Wohnhaus – das ursprüngliche Augustinerkloster – ist seit 1883 Museum.
In das UNESCO-Welterbe wurden auch die Bauten des klassischen Weimar aufgenommen – der Zeit Goethes und Schillers. Dazu gehören die Wohn- und Wirkungsstätten der beiden Dichterfürsten ebenso wie die Schlösser der Herzöge von Sachsen-Weimar: die Jagd- und Lustschlösser Belvedere und Ettersberg, Schloß Tiefurt, die Sommerresidenz der Herzogin Anna, und deren Wittumspalais in Weimar. Nicht vergessen werden darf die jüngst durch einen Großbrand in die Schlagzeilen geratene Anna-Amalia-Bibliothek.
Gemeinsam mit Dessau steht Weimar zudem für die Bauhaus-Bauten auf der Welterbe-Liste. Gegründet wurde das Staatliche Bauhaus 1919 von Walter Gropius in Weimar. Erster Sitz der Schule war ein nach Plänen des belgischen Architekten Henry van de Velde 1904 für die Kunstgewerbe-Hochschule errichtetes Gebäude in Weimar, 1925 zog das Bauhaus nach Dessau um. Das dort von Walter Gropius entworfene Gebäude gilt als wegweisendes Beispiel moderner Baukunst im frühen 20. Jahrhundert. In Weimar können Interessierte das „Haus am Horn“ besichtigen, das anläßlich der ersten großen Bauhaus-Ausstellung 1923 in nur vier Monaten als „Versuchshaus“ erbaut wurde. In Dessau stehen die 1926 bis 1928 von Gropius gebauten „Meisterhäuser“ zur Besichtigung offen. Den Künstlern standen hier großzügige Ateliers mit verglasten Fronten zur Verfügung. Mit den Meisterhäusern sollte aber auch eine neue Art zu wohnen demonstriert werden. Bemerkenswert etwa die Details im Haus Gropius, vom begehbaren Kleiderschrank über die „Heißwasser-Soda-Dusche“ der Spülküche bis zum zusammenschiebbaren Doppelsofa.
Zwischen der Spree und dem sogenannten Kupfergraben liegt die Berliner Museumsinsel, ein geschlossenes städtebauliches Ensemble, das nur der Archäologie und der Kunst gewidmet ist. Zwischen 1830 und 1930 entstanden hier fünf Museen. Ausgangspunkt war die Fertigstellung des von Karl Friedrich Schinkel geplanten Alten Museums 1830, das als einer der schönsten Museumsbauten Europas gilt. Den ersten Gesamtbebauungsplan der Museumsinsel als Forum der Künste und Wissenschaften entwarf 1841 der Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler, nach dessen Plänen 1859 das Neue Museum und 1876 die tempelartige Alte Nationalgalerie fertiggestellt wurden. 1904 folgte das Kaiser-Friedrich-Museum (das heutige Bodemuseum). Mit der Eröffnung des Pergamonmuseums im Jahr 1930 waren die Bauaktivitäten auf der Museumsinsel abgeschlossen.
In Österreich gehören drei Stadtzentren zum Weltkulturerbe: Salzburg (1996), Graz (1999) und Wien (2001). Neben der malerischen Lage kann Salzburg mit weiteren Trümpfen aufwarten: sehenswerten Sakralbauten wie dem barocken Dom, der Festung Hohensalzburg, den engen Altstadtgassen … Und über allem schwebt der Ruf Salzburgs als eine der großen Musikstädte der Welt. Auch dies hat die UNESCO bewogen, Salzburg in das Weltkulturerbe aufzunehmen. Bei Graz gab die einzigartige architektonische Geschlossenheit den Ausschlag. Es dominieren die barocken Fassaden, doch haben sich auch markante Zeugnisse aus früheren Jahrhunderten erhalten, wie der 28 Meter hohe Uhrturm auf dem Schloßberg von 1561 oder die spätgotische Domkirche. Eine ganze Armee, fast 30000 Mann, könnte man mit den Waffen und Rüstungen ausstatten, die im Zeughaus zu sehen sind.
Daß Wiens historisches Zentrum zum Welterbe zählt, möchte man fast für selbstverständlich halten, doch wurde die Altstadt erst 2001 in die Liste aufgenommen. Wien begründete seinen Antrag mit dem Hinweis auf die „überragende Bedeutung der ein?stigen Haupt-und Residenzstadt als politisches und geistiges Zentrum der österreichisch-ungarischen Monarchie“. Dabei wurde ein Schwerpunkt auf die Bauten des 19. Jahrhunderts gelegt, gilt Wien doch „als letzte in weiten Teilen erhaltene Metropole“ dieser Zeit in Europa. Die UNESCO berücksichtigte zudem Wiens Bedeutung für Musik, Literatur, bildende Kunst und Psychoanalyse.
Die auf einer von der Aare umflossenen Halbinsel gegründete Altstadt von Bern wird vor allem von Bürgerhäusern des 18. Jahrhunderts geprägt. Malerisch sind die insgesamt sechs Kilometer langen Laubengänge, die „längste gedeckte Einkaufsprome?nade Europas“. Das Berner Münster ist ein Musterbau der Spätgotik, von der Bedeutung als „Bundesstadt der Schweiz“ zeugt das von 1894 bis 1902 erbaute Bundeshaus (Parlament) im Stil der Florentiner Renaissance.
Altstadt und Festungsanlagen von Luxemburg gehören seit 1994 zum Welterbe. Die schmucke Altstadt, die wie eine Symbiose aus deutscher und französischer Kultur wirkt, erhebt sich über dem Tal der Pétrusse. Die Liebfrauenkathedrale stammt aus dem 17. Jahrhundert und war ursprünglich eine Jesuitenkirche. Von 1815 bis 1866 war Luxemburg eine Bundesfestung des Deutschen Bundes, die aus dieser Zeit erhaltenen Kasematten sind als Beispiel für die Festungsbaukunst des 19. Jahrhunderts in das Welterbe mit einbezogen.
Burgen, Schlösser und Gärten
Das „schönste Pfarrhaus Europas“ nannte Napoleon I. die Würzburger Residenz, die 1981 in die UNESCO-Liste aufgenommen wurde. Die ehemalige Residenz der Würzburger Fürstbischöfe wurde 1720 bis 1744 von Balthasar Neumann erbaut; ihr monumentales Treppenhaus gilt als eine der großartigsten Raumschöpfungen des Barock. Die Fresken in Treppenhaus und Kaisersaal schuf der Venezianer Giovanni Battista Tiepolo.
Gleichfalls fürstbischöflicher Bauleidenschaft entsprangen die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl bei Bonn, die 1984 als „herausragende Beispiele der Schloßbaukunst des 18. Jahrhunderts und Gesamtkunstwerk des Rokoko in Deutschland“ in die Welterbe-Liste aufgenommen wurden. Schloß Augustusburg war die Lieblingsresidenz des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August. Für die Prunktreppe zeich?nete der geniale Balthasar Neumann verantwortlich. Das Deckengemälde zeigt Clemens August als Beschützer der Künste und Triumphator über alles Böse. Da Clemens August ein leidenschaftlicher Jäger war, ließ er sich in unmittelbarer Nähe das kleine, intime Jagdschloß Falkenlust erbauen, dessen Treppenhaus vollständig mit Delfter Kacheln ausgeschmückt ist.
„Ohne Sorge“ wollte Friedrich der Große in seinem Schloß Sanssouci leben. Die Berühmtheit seines Erbauers hat dazu geführt, daß dieses Kleinod des Rokoko von Besuchern förmlich überrannt wird. Dabei hat die Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft noch viel mehr zu bieten: die anderen Bauten des Parks von Sanssouci, aber auch die Parklandschaften in und um Potsdam – den Neuen Garten mit dem Marmorpalais und Schloß Cecilienhof (in dem 1945 die Potsdamer Konferenz stattfand), den Park von Babelsberg mit dem neugotischen Schloß Wilhelms I., die klassizistischen Bauten in Glienicke, die Pfaueninsel mit ihrer künstlichen Ruine, die Friedrich Wilhelm II. für sich und seine Geliebte, die schöne Wilhelmine, erbauen ließ, die Russische Kolonie Alexandrowka, das im italienischen Landhausstil errichtete Krongut Bornstedt …
Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (siehe Beitrag im Printheft) legte das Dessau-Wörlitzer Gartenreich in einer Landschaft an, die von Flüssen, Auenwäldern und ausgedehnten Wiesen bestimmt war. Schlösser, Gärten, Alleen und Kleinarchitekturen bettete er so natürlich in die Umgebung ein, daß sie dem gesamten Landstrich den Charakter eines großen Parks verliehen. Von den Schlössern in dieser arkadischen Landschaft sei Wörlitz hervorgehoben, das als erster klassizistischer Schloßbau in Deutschland gilt. Zum Dessau-Wörlitzer Gartenreich gehören auch das Schloß Georgium in Dessau mit einer großen Gemäldegalerie, das Schloß Mosigkau, das im holländischen Barockstil erbaute Schloß Oranienbaum vor den Toren Dessaus und der von dem Erbprinzen Friedrich von Anhalt-Dessau angelegte Landschaftspark Großkühnau. Verbunden sind die Dessauer und Wörlitzer Gärten durch den zwischen 1777 und 1793 angelegten Sieglitzer Park.
Ein grenzübergreifendes Projekt war die Aufnahme des Muskauer Parks nördlich von Görlitz. Ein Teil dieser durch den Fürsten Pückler bekannt gewordenen Anlage gehört seit 1945 zu Polen. Hermann Fürst von Pückler-Muskau gilt als einer der Pioniere des Landschaftsgartens in Deutschland. Der Muskauer Park umfaßt beiderseits der Neiße ein Gelände von rund 750 Hektar, er gehört zu den größten Landschaftsparks in Europa. Das Neue Schloß (16. Jahrhundert) wurde unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geplündert und durch einen Brand zerstört; nur die Außenmauern blieben stehen. Derzeit wird das Gebäude mit großem Aufwand wiederhergestellt.
Die Wartburg bei Eisenach gehört zu den besterhaltenen Burganlagen des Mittelalters. Einzigartig ist das romanische Hauptgebäude, mit dessen Bau 1155 begonnen wurde. Im 19. Jahrhundert wurde die Burg neugotisch umgestaltet. Weltgeltung erlangte die Wartburg wegen ihrer Geschichte: als Schauplatz des berühmten Sängerkrieges, als Wohnsitz der heiligen Elisabeth von Thüringen, als Zufluchtsort Martin Luthers, als Kulisse für das Wartburg-Fest der deutschen Burschenschaften …
Ein Symbol der habsburgischen Herrschaft im 18. und 19. Jahrhundert ist das Schloß Schönbrunn in Wien, ein Hauptwerk des sinnenfreudigen österreichischen Rokoko. In seinen Innenräumen können die Besucher sich in die Zeit Maria Theresias, Franz Josephs I. und „Sisis“ zurückversetzen, die Schloß Schönbrunn als repräsentativen Sommersitz nutzten. Das Schloß ist von einer weitläufigen Parkanlage im französischen Stil umgeben.
Die drei Burgen von Bellinzona (Castelgrande, Castello di Montebello und Castello di Sasso Corbaro) im Schweizer Kanton Tessin sind das einzige erhaltene Beispiel mittelalterlicher Militärarchitektur im Alpenraum. Die Burgen dienten der Kontrolle der zahlreichen Paßrouten, die in der Talenge von Bellinzona zusammenlaufen.
Industriedenkmäler und Bergwerke
Im Rammelsberg bei Goslar befand sich das größte zusammenhängende Kupfer-, Blei- und Zinkerzlager der Welt. 1988 wurde das Bergwerk stillgelegt und in den folgenden Jahren als Museum eingerichtet. Zum Weltkulturerbe gehören aber auch die Altstadt von Goslar und die zwischen 1040 und 1050 unter Heinrich III. errichtete Kaiserpfalz (die im 19. Jahrhundert in historisierender Form restauriert wurde). Stellvertretend für die große Bedeutung der Schwerindustrie in der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts stehen die Industrielle Kulturlandschaft Zeche Zollverein in Essen und die Völklinger Eisenhütte. Beide Museen versuchen mit innovativen Ausstellungskonzepten, Industriegeschichte nachvollziehbar zu machen (siehe Beitrag im Printheft).
1998 wurde die 41,7 Kilometer lange Semmeringbahn bei Wien – als bislang weltweit einzige Eisenbahntrasse – in die Welterbe-Liste aufgenommen. Erbaut wurde die Bahn über den Semmering von 1848 bis 1854. Die maximale Neigung von 25 Promille war eine technische Sensation, wie auch die gesamte Trassenführung durch 15 Tunnel und 16 Viadukte (siehe Beitrag im Printheft).
Kultur- und Naturlandschaften
In den vergangenen Jahren ist die UNESCO verstärkt dazu übergegangen, nicht nur einzelne Bauwerke, Ensembles oder Städte in ihre Welterbe-Liste aufzunehmen, sondern auch Kulturlandschaften. In Deutschland wurde 2002 das burgengesäumte Obere Mittelrheintal von der alten Römerstadt Koblenz durch das Tal der Loreley bis Bingen aufgenommen, 2004 folgte das Elbtal in und um Dresden. Insgesamt umfaßt dieser Abschnitt etwa 18 Kilometer von Schloß Übigau im Nordwesten bis Schloß Pillnitz im Osten.
Drei Kulturlandschaften hat die UNESCO in Österreich ausgezeichnet: 1997 die seit der Bronzezeit historisch bedeutsame Region Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut, 2000 folgte die Kulturlandschaft Wachau mit ihren Burgen, Stiften (Melk, Göttweig …) und sich harmonisch in die Landschaft einfügenden Ortschaften (Krems, Aggstein, Dürnstein …).
Grenzübergreifend ist die Kulturlandschaft Neusiedler See/Fertö, die sich Österreich und Ungarn teilen. Wie die Wachau ist sie von einer langen Weinbau-Tradition geprägt.
Die Grube Messel, einst ein Urwaldsee, ist das einzige Weltnatur-erbe in Deutschland. Sie gehört zu den größten Fossilienfundstätten der Welt; fast 50 Millionen Jahre haben hier Tiere und Pflanzen im Ölschiefer überdauert (siehe Beitrag im Printheft). In der Schweiz wurden zwei Naturlandschaften in die UNESCO-Liste aufgenommen: die Region Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn mit dem längsten Gletscherstrom der Alpen (2001) und der Monte San Giorgio an den südlichen Ausläufern des Luganer Sees. Keine andere Berglandschaft der Schweiz birgt eine größere Vielfalt an gut konservierten Fossilien. Vor 200 Millionen Jahren befand sich hier ein 100 Meter tiefes Meeresbecken.
Literatur Hans Christian Hoffmann/Dietmar Kelle?/?Karin Thomas, Unser Weltkulturerbe. Kunst in Deutschland unter dem Schutz der UNESCO. Köln 2005. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (Hrsg.), UNESCO-Welterbe: Lust und Last!? Stuttgart 2004. Christian Schuhböck, Österreichs Welterbe: Kulturdenkmäler und Landschaften unter dem Schutz der UNESCO. Wien 2002.
Internet
Internet-Seite des World Heritage Centre: http://whc.unesco.org Internet-Seite der UNESCO-Welterbe-Stätten Deutschland e. V.: http://www.unesco-welterbe.de Internet-Seite der deutschen UNESCO-Kommission: http://www.unesco.de Internet-Seite der schweizerischen UNESCO-Kommission: http://www.unesco.ch UNESCO-Welterbe-Stätten und Biosphärenreservate in der Schweiz: http://www.unesco-welterbe.ch Internet-Seite der österreichischen UNESCO-Kommission: http://www.unesco.at
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