Begonnen hat die Geschichte der Juden im Alpenraum mit der Ausdehnung des römischen Reichs. Dennoch entstanden jüdische Gemeinden in den Alpentälern erst spät und auch nur selten. Zu Hohenems, Innsbruck und Meran kamen später noch Luzern und Lugano hinzu, ergänzt durch das saisonale jüdische Leben in den Kurorten Graubündens und im Wallis. Daher ist die Ausstellung nicht nur eine Reise durch die Zeit, sondern gleichzeitig eine Reise durch den Raum, die von Hohenems nach Wien und von dort nach Meran führt. Auch heute noch sind die Alpen Treffpunkt gläubiger Juden aus aller Welt. Wie damals suchen sie dort – an der Grenze zwischen Himmel und Erde – nach spirituellen Erfahrungen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das jüdische Suchen nach Spiritualität durch die politische Ideologisierung der Alpen von Seiten der Nationalsozialisten stark eingeschränkt.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg, aber vor allem in den ersten Jahren danach nahmen fremdenfeindliche und antisemitische Strömungen im österreichischen Alpenverein stark zu, die in den zwanziger Jahren zu dessen Arisierung führten. Auch die „Schlacht“ um die Eiger-Nordwand und die damit verbundenen, vorwiegend deutsch-österreichischen Erstdurchsteigungsversuche führten dazu, dass „die Alpen […] nicht der ´Spielplatz von Europa´, sondern ein soldatisches Übungsfeld, die grandiose Schaubühne der Natur, keine ´moralische´, sondern eine militärische Anstalt [wurden]“, wie der Wiener Alpinist und Musiker Joseph Braunstein 1936 – kurz vor seiner Emigration in die USA – schrieb.
Das Begleitprogramm der Ausstellung bringt dem Besucher die verschiedenen Facetten des jüdischen Alpinismus in sieben thematisch gegliederten Vorträgen näher und nimmt die Themen der Ausstellung – wie die Erschließung der Berge für den internationalen Tourismus – wieder auf. Zu hören sind diese zwischen dem 20. Januar und dem 3. März 2010 im Jüdischen Museum in Wien.
Die Ausstellungsbesucher erwartet eine abwechslungsreiche Sammlung von Exponaten. Dazu gehören nicht nur eine Schaukelbadewanne und ein Berghammer, sondern auch hölzerne Ski mit Skistöcken und einige Spielzeugkühe. Außerdem präsentiert die Ausstellung zwei sehr unterschiedliche künstlerische Zugänge zur Geschichte der jüdisch-alpinen Beziehungen. Der in Genf lebende Künstler und Autor Roger Reiss hat die Rabbiner seiner orthodoxen Kindheit in einen phantastischen Dialog mit den Bergen verwickelt, den er durch Collagen darstellt. Der Architekt und Fotograf Michael Melcer hingegen hat sich mit der Theaterregisseurin Patricia Schon zusammen der Realität des orthodox-jüdischen Bergtourismus der Gegenwart in Graubünden gewidmet und präsentiert die Ergebnisse dieser fotografischen Erkundungsreise im Zuge der Ausstellung.





