Auch den heute fast vergessenen Berner Architekten und Maler Theodor Zeerleder (1820–1868) zog es, angeregt vor allem durch die französische Orientmalerei, unwiderstehlich in die ferne Welt der Moscheen und Basare, weitab vom „langweiligen, kalten Bern“. Geboren als Sohn einer wohlhabenden Patrizierfamile, standen ihm genügend Mittel für seine Reisen zur Verfügung. Nach Aufenthalten in Paris, Italien und Griechenland reiste Zeerleder 1848/49 unter anderem nach Kairo, Damaskus, Jerusalem und Istanbul. 1850 startete er gemeinsam mit dem Maler Alexis Geyer zu einer großen Nilfahrt. Besonders fasziniert zeigte er sich von orientalischer Architektur und Ornamentik.
Auf Leben und Wirken Zeerleders macht ein schön gestalteter Band aufmerksam, der erstmals den umfangreichen Nachlass des Architekten aus der Berner Burgerbibliothek auswertet. Anders nämlich als andere Künstler veröffentlichte Zeerleder weder seine zahlreichen Aquarelle und Architekturskizzen noch seine Reisetagebücher und Briefe.
Dennoch wurde er durch seine Architektur zum Exponenten des Schweizer Orientalismus. Als sein bedeutendstes Werk gilt der „Türkische Rauchsalon“ im Schloss Oberhofen am Thuner See. Dessen damaligen Besitzer, den preußischen Diplomaten Graf Albert de Pourtalès (1812–1861), hatte Zeerleder wohl 1850 in Istanbul kennengelernt. Später beauftragte der Graf seinen Bekannten mit der Neugestaltung von Schloss und Park Oberhofen.
Im Rauchsalon, der zwischen 1853 und 1855 entstand, hat Zeerleder viele Details umgesetzt, die er in der Raumausstattung vor allem von Kairoer Wohnhäuser kennengelernt hatte. Ornamentale Decken und Gesimse, intarsierte Wandverkleidungen und kostbar verzierte Balken mit stalaktitförmigen Konsolen als Raumteiler schmücken den Raum, der sich im Obergeschoss des Schlossturms befindet. An den Wänden laden Diwane zum Sitzen ein.
Heute ist das Schloss eine Außenstelle des Historischen Museums Bern und kann einschließlich des Rauchsalons besichtigt werden.





