Insgesamt wurden zwischen 1560 und 1782 mindestens 60000 Menschen beiderlei Geschlechts wegen angeblicher Hexerei öffentlich verbrannt. Damit gehören die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen zu den schlimmsten von Menschen aus naiver Überzeugung, aus pragmatischer Gleichgültigkeit oder mit bösartigem Kalkül verübten Untaten. Zweifellos sind diesen Hexenjagden in der Mehrzahl Frauen zum Opfer gefallen. Doch wenn auch das von Dämonologen – den “Experten” für bedrohliche Umtriebe des Teufels und seiner Kreaturen – verbreitete Hexenstereotyp die arme, alte, verwitwete Frau als angebliche Teufelsbuhlerin zur typischen Täterin und zum klassischen Opfer der Prozesse stempelte, so wurde jenes einfache Muster schon bei frühen Verfolgungen wie auch den späteren massenhaften Hexenjagden gegen Ende des 16. und im Laufe des 17. Jahrhunderts immer wieder durchbrochen. Denn zunehmend unter Anklage gerieten sowohl junge, verheiratete Frauen oder Kinder und Jugendliche als auch Männer jeden Alters, darunter sogar Amtsträger und selbst Geistliche. Andererseits gehörten gerade Hebammen nicht zu den bevorzugten Opfern der Hexenjagden.
Schon 1574 hatte der klevische Arzt Dr. Johann Weyer eindringlich vor der verhängnisvoll-mörderischen Kraft der neuaufkommenden Hexenangst gewarnt: „… gute und uralte nachbawrschafften und freundschafften würden dadurch auseinandergerissen, neidt / unnd haß / zwischen den aller nechst verwandten werde gesät, zenckischen / auffrürischen rotten / bawrenhader / spaltung der stetten und regimenten” hervorgebracht und in letzter Konsequenz durch die Verfolgung angeblicher Hexen “ein blutbadt der unschuldigen” angerichtet.
Solche Warnungen verhallten zunächst ungehört, glaubte man sich doch umringt von teuflischen Machenschaften: Demnach versuchte der Satan, quasi in einem eschatologischen Endkampf, Gottes Schöpfung zu zerstören. Zu diesem Zweck rekrutierte er angeblich eine regelrechte Armee von Hexen und Hexenmeistern. Man hielt besonders solche Menschen für anfällig, deren Seelen durch sündhaftes Verhalten befleckt waren oder deren Widerstandskräfte durch körperliche Schwäche, Schicksalsschläge oder Melancholie (Depressionen) den teuflischen Verlockungen nicht standhalten konnten. Auch wenn der Böse es grundsätzlich auf beide Geschlechter abgesehen hatte, so war man davon überzeugt, daß zumeist Frauen, die schon seit der Antike als schwache, leicht verführbare und sexuell unersättliche Wesen galten, in seine Fänge gerieten. Weiter glaubte man, der Teufel mache sich seine neuen Anhänger durch falsche Versprechungen gefügig und fordere dann völlige Unterwerfung von ihnen. Man malte sich ein Initiationsritual aus, in dem die Abtrünnigen nach ritueller Abschwörung Gottes ihren Pakt mit dem Teufel durch die Hergabe der Taufsalbe (Krisam) und durch die sogenannte Buhlschaft, den Geschlechtsverkehr mit dem Satan, besiegelten.
Diesen Phantasmagorien zufolge flogen die Teufelsbündner in großen Scharen auf Besen, Ofengabeln, schwarzen Böcken und Hunden zu wilden Tänzen und Orgien auf den Hexensabbat. Hier heckten sie ihre verderbenbringenden Schadenzauber aus, um mit Hilfe von Unwettern und giftigen Zaubersalben Saat und Ernte, Mensch, Tier und alle Nachkommenschaft zu vernichten.





