Grass hat sich den Raum Danzig mit literarischen Mitteln zurückerobert und auf diese Weise Verlorenes bewahrt: »Die meisten meiner Bücher beschwören die untergegangene Stadt Danzig, deren gehügelte wie flache Umgebung, die matt anschlagende Ostsee; und auch Gdańsk wurde im Verlauf der Jahre zu einem Thema, das fortgeschrieben sein wollte. Verlust machte mich beredt. Nur was gänzlich verloren ist, fordert mit Leidenschaft endlose Benennungen heraus, diese Manie, den entschwundenen Gegenstand so lange beim Namen zu rufen, bis er sich meldet. Verlust als Voraussetzung für Literatur.«
Als Bürger verfolgt und kommentiert Günter Grass die deutschpolnischen Beziehungen engagiert. Bereits 1961 plädiert er öffentlich für eine Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und unterstützt die neue Ostpolitik Willy Brandts. 1970 begleitet er den Bundeskanzler zum Abschluss des Warschauer Vertrages in die polnische Hauptstadt und wird Zeuge seines berühmten Kniefalls. Auch an den polnischen Streikbewegungen der 70er und 80er Jahre und den Aktivitäten der Gewerkschaft »Solidarność« nimmt Grass regen Anteil. Der Austausch mit polnischen Schriftstellern, Intellektuellen und Politikern schärft seinen Blick für die Entwicklungen des Landes.
In der Ausstellung stellen Manuskripte, bildkünstlerische Arbeiten sowie selten gezeigte Bild- und Tondokumente das Leben und Werk von Günter Grass aus deutscher und polnischer Perspektive vor und gewähren zugleich Einblicke in die Beziehungen der beiden Länder zueinander.





