Die Gründe für den Untergang der DDR sind historisch weitgehend ausgeleuchtet. Zu ihnen zählen etwa die in den 1980er Jahren immer stärker zutage tretende Dialogunfähigkeit der als „sklerotisch“ empfundenen SED-Regierung, die Abkapselung gegenüber der Reformpolitik Michail Gorbatschows, der spürbare ökonomische Niedergang, die Versorgungskrise und eine sich immer bedrohlicher auftürmende Ausreisewelle. Der Fall der Mauer und die Implosion der SED-Herrschaft trafen auf eine stark fragmentierte Gesellschaft: Hunderttausende waren geflüchtet oder auf dem Sprung; eine starke Minderheit blieb im Land und lehnte sich zunehmend aktiv gegen das kommunistische Regime auf. Der Großteil der Bevölkerung – der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk beziffert ihn auf etwa zehn Millionen Menschen, die das System stützten und teils von ihm profitierten – verhielt sich in der Umbruchzeit jedoch abwartend und trug später vielfach dessen staatsautoritäre Traditionen weiter.





