Seduced by Art: Photography Past and Present ist die erste große Fotografieausstellung der National Gallery London. In dieser bahnbrechenden Schau wird die Beziehung zwischen historischen Gemälden, frühen Fotografien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und einigen der spannendsten Formen der heutigen Fotografie untersucht. Seduced by Art wirft einen provokativen Blick auf die Art und Weise, wie Fotografinnen und Fotografen die Traditionen der bildenden Kunst verwenden, darunter auch die Gemälde der Alten Meister, um die Möglichkeiten ihrer eigenen Kunst zu erforschen und zu rechtfertigen. Schon seit ihren Anfängen beansprucht die Fotografie traditionelle Themen der Hochkunst für sich. Diese Ausstellung will keinen allgemeinen Überblick bieten, sondern die Aufmerksamkeit auf diese besonders reichhaltige Ader der Fotografiegeschichte lenken – anhand von bedeutenden Frühwerken der besten britischen und französischen Vertreter und Fotografien von internationalen zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern. Gezeigt werden neue Fotografien und Videos, die speziell für die Ausstellung entstanden und zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind, sowie Werke, die selten in Großbritannien ausgestellt werden.
Gemälde und frühe wie zeitgenössische Fotografien sind gemeinsam unter traditionellen Genrekategorien wie Porträt, Stillleben und Landschaft zu betrachten. Der große zentrale Raum stellt die wunderschönen und herausfordernden religiösen Bildwelten der Fotografin Julia Margaret Cameron aus dem 19. Jahrhundert und Werke der Künstlerin Helen Chadwick aus dem späten 20. Jahrhundert dem spektakulären Schlachtengemälde von Emile-Jean-Horace Vernet aus dem Jahr 1821 und Luc Delahayes Arbeit von 2001 gegenüber. Zum Thema Porträt finden sich Tina Barneys scharfsinnige soziale Darstellungen; Martin Parrs bissiges Werk wird neben Thomas Gainsboroughs Mr. and Mrs. Andrews (um 1740) gezeigt, während Fotografien von Craigie Horsfield und dem viktorianischen Künstler David Wilkie Wynfield den barocken Einfluss von Anthony van Dyck offenbaren. Gemalte und fotografierte Akte geben Anlass zum erneuten Überdenken kontroverser Arbeiten von frühen Fotografen wie Oscar Gustave Rejlander und zeitgenössischen Vertretern wie Richard Learoyd sowie ihrer Rezeption damals und heute. Im Landschaftsraum sind Werke des frühen französischen Fotografen Gustave Le Gray und zeitgenössischer Künstler wie Jem Southam und Richard Billingham ausgestellt, ergänzt von einer riesigen sechsteiligen Fotogravur von Tacita Dean.
Im Rahmen der Ausstellung wird die Methodik zeitgenössischer Kunstschaffender beleuchtet, die sich – mit allen technischen Mitteln und Neuheiten des digitalen Zeitalters ausgestattet – weiterhin den Themen und Verfahren der historischen Malerei und frühen Fotografie widmen. Untersucht werden aber auch experimentellere Arbeiten wie Sam Taylor-Woods zeitbasiertes Still Life (2001) und Ori Gershts digitales Stillleben Time after Time: Blow Up No. 05 (2007) (mit freundlicher Genehmigung von Mummery + Schnelle), das neben seiner Inspirationsquelle, The Rosy Wealth of June (Stillleben mit Blumen) (1886) von Ignace-Henri-Théodore Fantin-Latour der National Gallery London, gezeigt wird. Die Videoarbeit An Ode to Hill and Adamson (2011) von Maisie Maud Broadhead und Jack Cole wurde speziell für die Ausstellung angefertigt und ist ebenfalls neben ihrem Vorbild zu sehen, einem fotografischen Porträt aus den 1840er Jahren von David Octavius Hill und Robert Adamson.





