Wann ich hett woellen mit ungemach faren, ich wolt Teütsch landt in ein groß pluot vergiessen gebracht haben, ja ich wolt woll zuo Wurmbß ein spil angericht haben, das der keyser nit sicher wer gewesen“. So blickte Luther nicht einmal ein Jahr später auf den Reichstag in Worms zurück. Spitz auf Knopf hatte es im April 1521 gestanden, als er vor dem Kaiser verhört wurde. Und er, der Mönch und Theologieprofessor, hatte es in der Hand, das ganze Reich in Unruhe und Aufruhr zu versetzen. So sah er es. Und hatte Gründe dafür.
Theologie, welche die Politik, ja, die ganze Welt verändert – das gibt es nicht oft. Luthers Denken hatte seine Wirkung nur entfalten können, weil es sich in einer kulturellen Situation ausbreitete, in der zahlreiche Spannungen die Möglichkeit zum friedlichen Ausgleich ebenso wie zum rasch explodierenden Konflikt in sich bargen. Luthers eigene Entwicklung wurzelte zunächst in einer solchen Spannung innerhalb der spätmittelalterlichen Glaubenswelt. Vereinfachende Darstellungen der Zeit um 1500 betonen die Veräußerlichung der Frömmigkeit. Der Ablass, den sich Menschen für Geld erkaufen konnten, um ihre Strafzeit im Fegefeuer zu reduzieren, ist das bekannteste Beispiel hierfür. Bußübungen, Wallfahrten, Messstiftungen und vieles mehr könnte man hinzufügen. …
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Prof. Dr. Volker Leppin





