Dem antiken Menschen war es möglich, bereits vor dem Betreten einer Stadt wie Pompeji oder Herculaneum einen ersten Einblick in deren Geschichte, Wohlstand und Sozialstruktur zu erhalten. Dies liegt vor allem in dem Phänomen begründet, dass die Toten in der Antike immer außerhalb einer Siedlung bestattet werden mussten. Hinzu kommt jedoch, dass man seit dem späten 2. Jahrhundert v. Chr. in Italien begann, große und aufwendige Grabbauten an exponierten Stellen zu errichten, wofür sich insbesondere die vielfrequentierten Ausfallstraßen antiker Städte anboten.
Diese Grabbauten mit ihrem Architekturdekor, ihren Bildern und Inschriften richteten sich so wie Ehrenmonumente an die vorbeieilenden Passanten. Wenn man also um die Mitte des 1. Jahrhunderts zu dem etwa 30-tägigen Fußmarsch von Rom nach Pompeji aufbrach, passierte man unzählige Gräber und Gräberstraßen einer Vielzahl von Städten und entwickelte allein durch die bloße Anschauung ein Gefühl für die Unterschiede zwischen diesen. Man konnte wohl sehr schnell feststellen, ob eine Stadt ihre große Zeit bereits hinter sich hatte oder vielleicht im Gegenteil gerade einen Boom erlebte.





