Wenngleich die Behandlung der körperlichen Verletzungen bei allen Kriegsparteien große Fortschritte verzeichnete, blieb man bei dem sogenannten Granatenschock ratlos. Insbesondere in den zermürbenden Phasen der Stagnation, der Wochen im Schützengraben stiegen die Fälle derer rapide an, die unter unkontrollierbaren Zitteranfällen oder Lähmungserscheinungen litten. Die Ursachen vermutete man zunächst in den Druckwellen der Granaten, die das Gehirn schädigen würden. So prägten die Engländer den Begriff der bomb shell disease, der heute noch für posttraumatische Störungen der Irak- und Afghanistanveteranen verwendet wird. Erst allmählich setzte sich die Verknüpfung mit den grausamen Erfahrungen durch, denen die Soldaten ausgesetzt waren – der Stress angesichts ständiger Bombardierungen, die unmittelbare Konfrontation mit schwerst verwundeten oder getöteten Kameraden.
Mit der Diagnose waren noch lange keine schlüssigen Therapiekonzepte gefunden. Die Versuche deutscher Mediziner setzten in erster Linie auf Schockwirkung, im engsten Wortsinne mit elektrischen Schlägen! In den meisten Fällen traten keinerlei Besserungen ein, im Gegenteil verschlimmerte sich der Zustand und die Patienten waren auf dauerhafte Pflege angewiesen. Kurzfristige Erfolge waren für die Betroffenen indes kein Glück, bedeuteten sie doch die baldige Rückkehr an die Front.
Einmal mehr versteht es das Erich Maria Remarque-Friedenszentrum, die Kriegserfahrungen dem Publikum vor Augen zu führen – die Illusion vom sauberen Krieg kann angesichts der dort gezeigten Bilder auch in der Gegenwart nicht aufrechterhalten werden.





