Kriegsmaschinen der tierischen Art: Darstellungen mittelalterlicher Schlachtrösser in Filmen und Medien zeigen häufig besonders hochgewachsene Pferde mit Widerristhöhen von über 1,70 Meter. Es scheint auch nahezuliegen, dass die Tiere für den militärischen Einsatz besonders groß sein sollten. Doch inwieweit das tatsächlich zutraf, ist gar nicht genau bekannt – handfeste Belege dazu gibt es kaum. Um weiterer Hinweise zu erhalten, hat nun ein britisches Forscherteam die Überreste von Pferden aus 171 archäologischen Fundstätten in ganz England analysiert. Die Funde stammen dabei aus der Zeitspanne vom 4. bis zum 17. Jahrhundert n. Chr.. Bei ihren Untersuchungen erfassten die Wissenschaftler die Merkmale der Knochen und leiteten daraus die Größen der historischen Tiere ab.
Mittelalterliche Pferdeknochen analysiert
Wie sie erklären, ist nicht bekannt, bei wie vielen Exemplaren es sich tatsächlich um Pferde mit einer militärischen Funktion gehandelt hat. Denn bei Funden aus dem Bereich von Burgen könnte es sich auch um anderweitig genutzte Zug- oder Lasttiere gehandelt haben. Historische Schlachtfelder könnten klarere Hinweise liefern – doch dort werden nur selten Pferdeknochen entdeckt, da die Körper der im Kampf getöteten Tiere in der Regel verwertet wurden. Meist landeten die Überreste der Schlachtrösser deshalb neben anderen Nutz- und Reitpferden am ehesten im Abfall von Gerbereien und Abdeckereien. Doch zumindest teilweise umfassen die untersuchten Knochen wohl auch militärisch genutzte Pferde, geht aus der Studie hervor.
Wie die Forscher berichten, zeichnete sich in den Auswertungen der Widerristhöhen ab: Die Pferde aus der sächsischen und normannischen Zeit (5. bis 12. Jahrhundert) würden nach modernen Maßstäben im Durchschnitt eher als Ponys gelten: Der Übergang vom Hals zum Rücken lag meist bei weniger als 1,48 Meter Höhe. In der normannischen Zeit (1066-1200 n. Chr.) sind dann zumindest etwas größere Ausreißer zu verzeichnen: Das größte Pferd dieser Ära aus Trowbridge Castle besaß eine geschätzte Widerristhöhe von etwas über 1,50 Meter. Damit entsprach es der Größe moderner leichter Reitpferde.
Andere Aspekte wichtiger
Erst im Hochmittelalter (1200 bis 1350 n. Chr.) tauchen dann auch erstmals Pferde mit einer Größe von über 1,60 Meter Widerristhöhe auf, deren Überreste aus dem Heron Tower in London geborgen wurden. “Hochmittelalterliche Schlachtrösser mögen für die damalige Zeit relativ groß gewesen sein, aber sie waren eindeutig viel kleiner, als wir es bei entsprechenden Funktionen heute erwarten würden“, sagt Alan Outram von der University of Exeter. Erst nach 1500 zeichnet sich eine deutliche Zunahme der durchschnittlichen Pferdegrößen ab sowie eine größere Variationsbreite: Sie reicht dann auch bis zu knapp 1,70 Meter, berichten die Wissenschaftler.





