Wie sonst kein anderer Ort liefern die Überreste der antiken Stadt Pompeji tiefe Einblicke in das Alltagsleben der römischen Antike. Denn die Stadt und viele ihrer Bewohner wurden im Jahr 79 nach Christus unter der Asche, den pyroklastischen Strömen und der Lava des ausbrechenden Vesuv begraben und konserviert. Bis heute arbeiten Archäologen daran, die Überreste des antiken Pompeji auszugraben und zu erforschen. Zurzeit finden Ausgrabungen vor allem in der sogenannten Regio IX im nördlichen Teil Pompejis statt. Im Sommer 2023 hatten Archäologen dort in einem Gebäude mit angeschlossener Bäckerei das Wandgemälde eines pizzaähnlichen Brotes und eines Weinkelchs entdeckt.

Ein Hausaltar und eine Wahlwerbe-Inschrift
Jetzt gibt es neue Funde aus einem anderen Raum in demselben Gebäude. Dort stand das sogenannte Lararium, der Hausaltar der Villa. Bei ihren aktuellen Ausgrabungen legten die Archäologen des Parco Archeologico di Pompei unter Leitung von Chiara Comegna die mit zwei Schlangenreliefs verzierte und farbig bemalte Rückwand dieses Hausaltars frei. Außerdem konnten sie noch Reste der letzten Opfergaben bergen, die die Hausbewohner am Tag des Vulkanausbruchs ihren Göttern gewidmet hatten. Den Analysen zufolge handelte es sich um Feigen und Datteln, die im Rahmen eines Rituals zusammen mit Oliven und Pinienzapfen auf dem Altar verbrannt wurden. Auch Reste früherer Opfergaben in Form von Wein, Fisch und Fleisch waren noch nachweisbar.
Im selben Raum entdeckten die Archäologen eine an diesem Ort unerwartete Inschrift an der Wand. Denn es handelte sich um eine Wahlwerbung – eine antike Variante unserer heutigen Wahlplakate. Die Inschrift wirbt dafür, einen gewissen Aulus Rustius Verus zu wählen, der für die Position des Aedile kandidierte. Diese römischen Beamten waren für die öffentlichen Gebäude und die Infrastruktur in ihrem Bezirk zuständig, kontrollierten die öffentliche Ordnung und vergaben Genehmigungen für öffentliche Feste. “Ich bitte Dich, Aulus Rustius zum wahren Aedile zu machen, er ist dieser Position würdig”, lautet die trotz einiger fehlender Buchstaben noch entzifferbare Inschrift an der Wand.
Politische Verflechtungen
“Die Wahlprogramme von Pompeji sind wertvolle Quellen, um die Geschichte der Stadt zu rekonstruieren”, erklären Comegna und ihre Kollegen. “Mit ihrer Hilfe können wir den Werdegang von Personen rekonstruieren, die die politischen Ereignisse dieser Stadt einst prägten.” Wahlwerbung wie die jetzt entdeckte Inschrift liefern nicht nur Hinweise darauf, wer wann für welche Position in Pompeji kandidierte, sie geben auch Aufschluss auf ihre Unterstützer und Gönner. “Das wiederum hilft dabei, die sozialen Beziehungen zu rekonstruieren und auch die Gründe, weswegen sie den einen oder anderen Kandidaten unterstützten”, so die Forschenden.





