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Wahre Fromme oder gewalttätige Rebellen?

Wahre Fromme oder gewalttätige Rebellen?

Mehrere Publikationen widmen sich im Jubiläumsjahr dem Bauernkrieg von 1524/25. Der Göttinger Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann sieht in ihm vor allem ein „Medienereignis“. Kaufmann formuliert griffig: „Reformation und Bauernkrieg entstammten gleichermaßen der Druckerpresse“. Die These: Nie hätte sich der…
18. August 2025
Lesezeit
2 Minuten

Schon im Vorfeld des Bauernkriegs entstanden neue Bilder vom Bauern, die die späteren gesellschaftlichen Wahrnehmungen vorwegnahmen: In manchen Schriften wie dem „Karsthans“ von 1521 erscheint der Landmann als der wahrhaft Fromme. In den astrologischen Prognostiken auf das Jahr 1524, die vor einer zweiten Sintflut, aber auch vor gesellschaftlichem Umsturz und Zerstörung warnen, wird er dagegen zum gewaltbereiten Akteur gegen Adel und Klerus.

Die insgesamt etwa 250 Drucke umfassende Bauernkriegspublizistik mit ihren Texten und Holzschnitten steht danach ganz im Zentrum des Bandes. Alle wichtigen Schriften werden ausführlich in ihrem Argumentationsgang vorgestellt, die Bilder nuancenreich interpretiert. Man erfährt so quasi aus erster Hand, was damals die Gemüter bewegte, aber auch, warum die „12 Artikel“ der Bauern „ihre singuläre historische Wirkung“ entfalten und zum erfolgreichsten Text der Reformationszeit werden konnten.

Breiten Raum nehmen danach die erbittert geführten publizistischen Kontroversen um die Frage ein, ob Luther als „Bauernschlächter“ verantwortlich zu machen sei oder nicht. Luthers Distanzierung von den „12 Artikeln“, seine „Ermahnung zum Frieden“ und die nachfolgende den bäuerlichen Aufruhr geißelnde Schrift „Wider die stürmenden Bauern“ mitsamt der Etablierung von Thomas Müntzer als Schlüsselfigur des Bauernkriegs sollten zwar die Wittenberger Reformation von allem im Kampf geflossenen Blut reinwaschen. Allein, die altgläubigen Gegner beharrten darauf, dass Luther mit seinen adels- und kleruskritischen Schriften das Feuer des Aufruhrs entzündet habe.

Fast alle Schriften zum Bauernkrieg, so resümiert Kaufmann, verurteilen die Aufstände und stellen deren Niederschlagung als gerechte göttliche Strafe dar. Auch in der Liedpublizistik wird diese Sicht publikumswirksam zementiert. Zu Recht macht der Autor aber darauf aufmerksam, dass sich auffallend viele Künstler aufseiten der Bauern engagiert hatten, und auch in Dürers Graphik fällt die Darstellung der Geschlagenen differenzierter aus. Insgesamt trugen die Bauernkriegsschriften jedoch dazu bei, dass die Reformation „von oben“ zum alternativlosen Modell avancierte.

Kaufmann ist ein erhellendes Buch gelungen, das einmal mehr zeigt, wie stark die Medien den Fortgang der Geschichte mitbestimmen können. Einziger Wermutstropfen ist die oft schlechte Druckqualität der Abbildungen, was besonders bei kleinteiligeren Bildkompositionen erheblich stört.

Rezension: Dr. Heike Talkenberger

Thomas Kaufmann
Der Bauernkrieg
Ein Medienereignis
Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2024, 544 Seiten, € 35,–

BauernkriegKaufmannRezensionSchriften

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