Hüte gehörten bis in die 1960er Jahre hinein selbstverständlich zur Garderobe von Mann und Frau. Beide Geschlechter fühlten sich ohne passende Kopfbedeckung nicht richtig angezogen oder gar nackt. Für den Mann galt der Spruch „Ohne Hut keine Dame“, und die Haube war noch weit bis ins 19. Jahrhundert ein Zeichen von Anstand und Sitte und Kennzeichen für die verheirateten Frauen („Unter die Haube bringen“). Der Zylinder begann dagegen seine Karriere als „Revoluzzer“ und wurde schnell im Laufe des 19. Jahrhunderts zum typischen Hut des Bürgers. So konnte jede Kopfbedeckung eine Symbolik besitzen und auch die gesellschaftliche Stellung von Mann und Frau widerspiegeln.
Über 200 Originalhüte, Accessoires und Fotografien veranschaulichen in der Ausstellung in Ratingen diese vielfältigen Aufgaben und Bedeutungen des wohl wichtigsten Modeaccessoires von 1850 bis heute. Es werden verschiedene Formen, Materialien und Farben gezeigt, wobei besonders Frauenhüte mit ihren modischen Verzierungen im Mittelpunkt stehen. Da gäbe es die üppige Federpracht, schillernde Seidenblumen, ein Seerosenteich oder gar ganze Gemüsegärten, die den Hüten der Damen im Laufe der Zeit das „gewisse Extra“ verliehen haben. Doch es wird nicht nur auf die Kopfbedeckung allein zurückgegriffen. Auch die Hutmachkunst der alten Schule wird durch einen Film erläutert und der Niedergang der Hutindustrie wird durch eine Bilderreihe des Fotografen Lorenz Kienzle thematisiert.





