Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit war Mitteleuropa nahezu menschenleer – zu kalt und lebensfeindlich waren die Bedingungen in der Zeit vor 27.000 bis rund 19.000 Jahren. Die steinzeitlichen Bewohner unserer Breiten wichen diesen harschen Bedingungen aus, indem sie weiter nach Süden oder an die Küsten zogen. Erst als die Temperaturen allmählich wieder stiegen und sich die Gletscher zurückzogen, kehrten auch die Menschen nach Mitteleuropa zurück. “Doch wann dies geschah und von wo aus die Wiederbesiedlung stattfand, bleibt unklar”, berichten Benjamin Schürch von der Universität Tübingen und seine Kollegen.
Wann kehrten die Menschen zurück?
Ebenfalls ungeklärt ist die Rückkehr der Menschen in eine der heute für die frühgeschichtliche Forschung bedeutendsten und ergiebigsten Fundstätten in Deutschland – das Gebiet der Schwäbischen Alb. Aufsehenerregende, bis zu 40.000 Jahre alte Funde vor allem aus den Höhlen im Ach- und Lonetal am Südrand der Alb zeugen davon, dass diese Gegend schon vor dem Höhepunkt der letzten Eiszeit ein wichtiges Siedlungsgebiet des Homo sapiens war. „Die Fundstätte ist vor allem durch die figürlichen Kleinkunstwerke aus der Kultur des Aurignacien bekannt, die vor rund 42.000 bis 35.000 Jahren vorherrschte“, berichtet Schürch. „Aber es gibt auch Spuren aus dem Magdalénien, einer archäologischen Kulturstufe vor rund 19.000 bis 14.000 Jahren mit Werkzeugen wie Kratzern und Sticheln aus Stein, aber auch Speerspitzen aus Geweih.“
Die bisher ältesten nacheiszeitlichen Funde aus dieser Gegend stammten aus der Hohle-Fels-Höhle im Achtal und wurden auf rund 16.300 Jahre datiert. Deshalb ging man bisher davon aus, dass diese Region auch erst um diese Zeit wieder besiedelt wurde. Doch Schürch und sein Team haben nun weitere Funde untersucht und mittels Radiokarbondatierung datiert. Im Fokus standen dabei Projektilspitzen aus Tierknochen und Geweih sowie aus Gestein, die nacheiszeitliche Besiedler der Vogelherdhöhle hinterlassen hatten. Ergänzend dazu zog das Team organische Überreste aus der Langmahdhalde hinzu, einem rund zwei Kilometer von der Vogelherdhöhle entfernten Felsüberhang.
3000 Jahre früher als gedacht
„Da die Fundstätten geografisch so dicht zusammenliegen, konnten wir die umfangreicheren Funde aus dem Vogelherd mit der genauer dokumentierten Schichtabfolge in der Langmahdhalde zueinander in Bezug setzen”, erklärt Co-Autorin Gillian Wong von der Universität Tübingen. “Nur so konnten wir ein umfassenderes Bild gewinnen.” Die Radiokarbondatierung der Funde ergab: “Die ältesten dieser Spuren, die Menschen hinterlassen haben, konnten in der Vogelherdhöhle auf ein Alter von rund 19.500 Jahren datiert werden. In der Langmahdhalde scheinen sich die Menschen nach der Eiszeit zum ersten Mal wieder vor 17.900 bis 17.000 Jahren aufgehalten zu haben“, berichtet Schürch.





