Eine so steile Karriere war dem 524/23 v. Chr. angeblich als Sohn einer Nicht-Griechin Geborenen keineswegs an der Wiege gesungen worden, entstammte er doch auch väterlicherseits dem eher unbedeutenden athenischen Adelsgeschlecht der Lykomiden. Laut Plutarchs ausmalender Biographie legte Themistokles schon als Knabe unbändigen Ehrgeiz an den Tag, übte sich in der Redekunst und buhlte später beständig um die Aufmerksamkeit seiner Mitbürger. Bald galt er als Aufschneider, zumal er keinen Wert auf die schönen Künste legte wie die anderen Aristokraten. So offenbart eine antike Herme (Porträtbüste) aus Ostia (siehe unten) in demonstrativer Vermeidung jeglicher Idealisierung die offenbar authentischen Züge eines gedrungenen Mannes, der mit Stiernacken, wuchtigem Kopf und geschwollenem Ohr eher an einen Schwerathleten als an einen feinsinnigen Staatsmann erinnert.
Dass Themistokles angeblich sogleich nach Erreichen des gesetzlichen Mindestalters von 30 Jahren 493/92 v. Chr. das höchste Amt Athens, das Archontat, bekleidet habe, ist gleichwohl denkbar. Wenig Glauben verdient hingegen die Nachricht, er habe schon 493 v. Chr. mit dem Ausbau des Piräus als Kriegshafen begonnen. Denn erst 488 oder 487 v. Chr. brach ein erbitterter Seekrieg zwischen Athen und der benachbarten Insel Ägina aus, der sich über Jahre hinzog. Die Niederlagen in dieser Auseinandersetzung boten Themistokles die Argumente, um seine Mitbürger für den Bau einer Flotte des neuen Kriegsschifftypus der Triere zu gewinnen. Die hohen Gewinne aus den staatlichen Silberminen von Laureion sicherten die Finanzierung. Der Beginn des Flottenbaus vermutlich 487 oder 486 v. Chr. markiert somit den Anfang von Themistokles’ Aufstieg zum einflussreichsten Politiker Athens, der seinen vorläufigen Höhepunkt in der zeitweiligen Verbannung seines schärfsten Rivalen Aristeides durch das Scherbengericht 483/82 v. Chr. fand. Dieser hatte sich offenbar mit seiner versöhnlichen Politik gegenüber Ägina bei seinen Mitbürgern unbeliebt gemacht. In jener Zeit hatte der persische Großkönig Xerxes einen Schiffskanal durch die Athos-Halbinsel in Nordgriechenland treiben lassen. Athens Bedrohung durch die Perser war damit offensichtlich geworden. Doch die Bürgerzahl Athens reichte nicht einmal dazu aus, die schließlich gebaute, gewaltige Flotte von 200 Trieren vollständig zu bemannen, geschweige denn für die gleichzeitige Aufstellung eines Landheeres. Die Konzentration auf den Seekrieg im Fall eines persi‧schen Durchbruchs nach Mittelgriechenland war daher gleichbedeutend mit der Räumung Attikas.
Zuvor aber wollten sich die Athener und Themistokles als einer ihrer zehn Strategen den her-anrückenden Persern zusammen mit den anderen Griechen im Juli 480 v. Chr. noch in einer Landschlacht vor dem Tempe-Tal entgegenstellen. Die offen perserfreundliche Gesinnung vieler Thessaler in ihrem Rücken ließ sie diese Stellung aber rasch aufgeben. In der nächsten, nun doppelten Sperrstellung zu Land wie zur See konzentrierten sich die Athener nur noch auf die Flotte. Allerdings mussten sie sich auch vom Kap Artemision an der Nordspitze der Insel Euböa zurückziehen. Denn als zur gleichen Zeit der wichtigste Engpass auf dem Landweg nach Süden, die Thermopylen – ungeachtet des aufopfernden Kampfs des Spartanerkönigs Leonidas und seiner 300 Getreuen – fiel, war Mittelgriechenland samt Attika nicht mehr zu halten.





