Welche Rolle spielte die 2900 v. Chr. lebende Königin Meret-Neith? Aus Siegelfunden und einigen ägyptischen Chroniken geht hervor, dass diese Frau einst an der Seite des Pharaos Wadji aus der ersten Dynastie über Ägypten geherrscht haben könnte. Doch war Meret-Neith nur eine gewöhnliche Königsgemahlin? Einige archäologische Funde lassen vermuten, dass die Königin möglicherweise eine noch wichtigere Rolle gespielt haben könnte. Hinweise darauf liefert unter anderem ein großer, ihr gewidmeter Gedenkstein, der schon vor gut 120 Jahren in der altägyptischen Totenstadt Abydos entdeckt wurde. Solche Stelen waren typischerweise nur den Königen Ägyptens vorbehalten.

Monumentale Grabanlage wie für einen König
Schon länger gibt es deshalb die Vermutung, dass Meret-Neith zumindest zeitweilig als alleinige Herrscherin über Ägypten regiert haben könnte. Das würde auch erklären, warum sie wie ein männlicher Pharao bestattet wurde und als einzige Frau ihre eigene monumentale Grabanlage auf Ägyptens erstem königlichen Friedhof in Abydos bekam. In der aus ungebrannten Lehmziegeln, Lehm und Holz errichteten Mastaba ist die Grabkammer der Königin von acht Lagerräumen für Grabbeigaben umgeben. Um diesen zentralen Teil gruppieren sich die Gräber von 41 höheren Hofbeamten, Bediensteten und Hunden der Königin – solche Nebengräber waren für damalige (männliche) Herrscher üblich. Meret-Neith selbst war in einem zentral in der Hauptgrabkammer stehenden Sarkophag bestattet, auch dies entsprach den Traditionen für männliche Pharaonen.
Was es mit Meret-Neith auf sich hatte und welche Rolle sie zu ihren Lebzeiten spielte, hofft ein deutsch-österreichisches Team unter der Leitung von Christiana Köhler von der Universität Wien herauszufinden. Sie führen seit kurzem Ausgrabungen im Grab der Königin Meret-Neith durch. Dank der sorgfältigen Ausgrabungsmethode und verschiedener neuer archäologischer Technologien konnte das Team bereits zeigen, dass die Gräber in mehreren Bauphasen und über einen relativ langen Zeitraum errichtet wurden. Aktuelle Ausgrabungen haben nun weitere Informationen über diese einzigartige Frau und ihre Zeit zutage gefördert.
Reiche Beigaben und Hunderte Krüge voller Wein
In den Lagerräumen im Grab von Meret-Neith entdeckten Köhler und ihr Team eine gewaltige Menge an Grabbeigaben, darunter Hunderte von großen Weinkrügen. Einige von ihnen waren sehr gut erhalten und sogar noch original versiegelt. In den großen Tonkrügen waren Überreste von 5000 Jahren altem Wein konserviert, in einigen fanden sich sogar noch gut erhaltene Traubenkerne, wie die Archäologen berichten. Außerdem stießen die Forschenden auf Inschriften, nach denen Königin Meret-Neith zu ihren Lebzeiten für zentrale Regierungsämter wie das Schatzhaus Ägyptens verantwortlich war.





