von Rainer Liedtke
Als Königin Victoria im Mai 1851 die Great Exhibition of the Works of Industry of all Nations eröffnete, befand sich Großbritannien auf dem Höhepunkt seiner ökonomischen und politischen Macht. Während die Hälfte der Ausstellung, aus der sich später die Weltausstellungen entwickeln sollten, britischen Industrieprodukten vorbehalten war, teilten sich die übrigen teilnehmenden Länder den Rest, wobei diverse deutsche Staaten überwiegend Kunstgewerbliches zeigten, darunter Porzellan aus Meißen und Kuckucksuhren aus Württemberg. Allein das über 500 Meter lange Ausstellungsgebäude im Londoner Hyde Park, gefertigt aus Eisenträgern und großflächigem Glas, war ein Meilenstein britischer Ingenieurskunst. Nach einem halben Jahr hatten sechs Millionen Besucher die auch finanziell ertragreiche Ausstellung gesehen, rund ein Drittel der damaligen britischen Bevölkerung. Großbritannien förderte zu diesem Zeitpunkt doppelt so viel Kohle wie die vier nächstgrößten europäischen Produzenten zusammen. Aus Sheffield und Umgebung kamen 90 Prozent der weltweiten Messerproduktion. Diese und weitere Superlative verdeutlichen, dass Großbritannien zu diesem Zeitpunkt nicht nur die bedeutendste, sondern die einzige Industrienation der Welt war. Hier allein wurde mehr als die Hälfte der Wirtschaftsproduktion im sekundären Sektor, also der Industrie und Handwerksbetriebe, erarbeitet.





