Als die römischen Städte Pompeji und Herculaneum vom Ausbruch des Vesuv unter Asche und Lava begraben wurden, machte sie dies zu einzigartigen Zeitkapseln. Denn nirgendwo sonst sind Zeugnisse des Alltagslebens zur römischen Zeit so gut erhalten geblieben wie unter den schützenden Ablagerungen der Eruption. Funde von fast perfekt konservierten Alltagsobjekten, Fahrzeugen, Möbeln, Fresken sowie die Gebäude deuten darauf hin, dass Pompeji vor der katastrophalen Eruption ein beliebter Ferienort für wohlhabende Römer war. Die bis zu 20.000 Einwohner umfassende Stadt war zudem ein florierendes Zentrum des Handels.
Das Erbgut eines Vulkantoten
Doch der Ausbruch des Vesuv setzte all dem ein Ende und tötete Schätzungen zufolge mindestens 2000 Menschen. Ihre von Glutlawinen und Asche eingehüllten und konservierten Überreste wurden in vielen Gebäuden des antiken Pompeji entdeckt. Die Positionen der Relikte zeigen, dass viele Einwohner Pompejis im Alltag überrascht und plötzlich getötet wurden. Einige Vulkanopfer sind so gut konserviert, dass sogar Gewebereste und Gehirnzellen nachweisbar sind. Schon seit längerem versuchen Archäologen, auch Erbgut aus den Zähnen oder Knochen dieser Toten zu isolieren, um aus der DNA Informationen über ihre Herkunft, ihren Gesundheitszustand und weitere körperliche Merkmale zu erhalten – bisher weitgehend vergeblich.
Erst jetzt ist es einem Team um Gabriele Scorrano von der Universität Rom erstmals gelungen, mithilfe von Knochenproben die DNA eines Mannes zu analysieren, der vor fast 2000 Jahren in Pompeji starb. Der 35 bis 40 Jahre alte Mann war einer von zwei Toten, die in Raum 9 der Casa del Fabbro, dem Haus des Handwerkers, gefunden wurden. “Diese Toten lehnten beide auf den Überresten eines Triclinium – einer niedrigen Couch – in der Ecke des wahrscheinlich damals als Esszimmer genutzten Raumes”, berichten Scorrano und seine Kollegen. Die Position der beiden Toten spricht dafür, dass sie von der schnell heranrasenden glühenden Aschenwolke des Ausbruchs überrascht wurden und sofort starben.
Vorfahren aus dem Nahen Osten oder vom Balkan
Bei der Analyse der Gewebeproben zeigte sich, dass die DNA der rund 50-jährigen Frau zu stark degradiert war. Beim Mann hingegen konnten die Forscher das mitochondriale und Kern-Erbgut aus den Proben extrahieren und die DNA-Sequenz entschlüsseln. Der Vergleich seines Genoms mit dem anderer antiker und moderner Bewohner des Mittelmeerraums enthüllte, dass der Mann aus Pompeji einige für das römische Italien ungewöhnliche Gensequenzen aufwies. Demnach zeigt die mitochondriale und damit über die mütterliche Linie vererbte DNA eine Gensignatur, die nach der Eiszeit vor allem im Nahen Osten, Südeuropa und dem Balkan häufig war. Heute kommt sie nur auf Sardinien noch häufig vor.





