Point de vue du Gras“ – „Blick aus einem Fenster von Le Gras“ nannte Niépce das Bild, das er im Frühherbst 1826 aus seinem Arbeitszimmer in der Bourgogne aufnahm. Auf dem Original ist kaum mehr zu sehen als dunkle Schatten und gräuliche Flächen; mit viel Phantasie erkennt man Häuserfassaden und Dächer in einem engen Innenhof. Das Bild im Format von 16,5 mal 21 Zentimetern nahm Niépce mit einer Camera obscura auf, der Urversion des Fotoapparats (siehe Info und Foto unten); die Belichtungszeit betrug rund acht Stunden.
Niépce, Offizier der französischen Armee, Tüftler und Erfinder, nannte das Verfahren Heliographie, eine Kombination aus zwei griechischen Wörtern (helio = Sonne, und graphein = zeichnen oder abbilden). Das Experiment gilt als Geburtsstunde der Fotografie, weil es ihm gelang, erstmals eine fotografische Abbildung dauerhaft herzustellen. Für die Entwicklung beschichtete er eine Zinnplatte mit Asphalt. Die unterschiedliche Belichtung erzeugte hellere und dunklere Stellen. Die Asphaltschicht löste er wieder mit einem Gemisch aus Lavendelöl und Petroleum von der Zinnplatte.





