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Wege aus der Krise

Wege aus der Krise

Bisweilen ist ein Buch viel besser als sein Titel. Vor gut zehn Jahren erzielte der Archäologe Eric H. Cline mit „1177 v. Chr. Der erste Untergang der Zivilisation“ einen großen Erfolg, und das, obwohl der Stoff unübersichtlich ist und der Autor wissenschaftliche Differenzierungen oder strittige Deutungen nicht…
21. Juli 2025
Lesezeit
2 Minuten

Clines Bestseller formulierte eine für unsere krisengeschüttelte Gegenwart sehr beunruhigende These: Eine Ballung von Störungen kann in einer hochgradig vernetzten Welt dazu führen, dass die gängigen Marker „höherer“ Zivilisation – funktionierende Wirtschaft, starke Regierung und respektable Eliten, große Städte mit eindrucksvollen Bauten sowie Schriftlichkeit als Grundlage von Administration und geistigen Leistungen – infolge einer umfassenden systemischen Krise verschwinden und sehr viel einfacheren und im Alltag unfriedlichen Verhältnissen Platz machen. Der Rezensent in dieser Zeitschrift rühmte eine „stimmige Deutung des Geschehens“, die überzeugender sei als die lange vorherrschenden monokausalen Erklärungsversuche.

Eine Pandemie, gerissene Lieferketten, vom Klimawandel beeinflusste Katastrophen, Migrationskrisen sowie mehr und mehr unilateral, zunehmend unberechenbarer und aggressiver agierende Regierungen haben Cline nunmehr veranlasst, die Geschichten für die beginnende Eisenzeit fortzuschreiben, unter der Frage, in welchen Regionen und wie die Akteure am besten mit den Verlusten fertiggeworden sind, sie sich also als besonders resilient erwiesen haben, indem sie aus dem Zerfall Bewährtes zu retten und kreativ Neues zu schaffen vermochten. Dementsprechend ist die chronologische Gliederung nunmehr durch eine nach Regionen ersetzt; durchmustert werden Beispiele dafür, „was man nach einem Zusammenbruch tun sollte und was nicht“. Je ein Kapitel behandelt Ägypten, Israel und die südliche Levante, dann Assyrien und Babylonien, Phönizien und Zypern, Anatolien und Nordsyrien sowie den Ägäisraum mit dem späteren Griechenland. Spoiler: Phönizier und Zyprier haben’s am besten hinbekommen!

Auch die Fortsetzung genügt wissenschaftlichen Ansprüchen und bietet zugleich viel Stoff zum geordneten Nachdenken über die aktuelle Situation der Welt. Cline scheut explizite Analogien ebenso wenig wie griffige Klassifizierungen. Einige Rezepte – Notfallpläne, redundante Systeme, Stärke und partielle Autarkie – ergeben sich, wie der Autor einräumt, schon aus gesundem Menschenverstand. Ob wir wie die Mykener scheitern oder wie die Phönizier innovativ sein werden, muss einstweilen offenbleiben. Wie beides einmal vor sich ging, davon handelt dieses unbedingt lesenswerte Buch.

Rezension: Prof. Dr. Uwe Walter

Eric H. Cline
Nach 1177 v. Chr.
Wie Zivilisationen überleben
Verlag wbg Theiss, Freiburg im Breisgau 2024, 400 Seiten, € 32,–

ClineKriseNbspRezension

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