Schon das 19. Jahrhundert beschäftigte sich eingehend mit den Staufern. Oft genug wird dabei der Zeitbezug der Historiker deutlich, wenn über die Staufer tagespolitische Diskussionen ausgefochten wurden, um kaiserliche Größe etwa, um den Umgang des Staates mit der Kirche oder um die nationale Geschlossenheit.
Auch in der Anlage der jahrzehntelang prägenden Darstellung von Odilo Engels (1972 zuerst erschienen) mag man vordergründig eine Befangenheit im Zeitbezug er‧blicken. Die Staufer werden dort nicht als eine Reihe mehr oder weniger herausragender Herrscher betrachtet, sondern als Exponenten der Gesellschaft ihrer Zeit. Entsprechend der Entwicklung des hochmittelalterlichen Adels erschien somit die Familienstruktur des „Adelshauses“ als leitend. Aus dieser Einbettung in die Lebenswelt erklärt sich auch die auffällige Berücksichtigung landesgeschichtlicher Forschungen in Engels’ Darstellung. Zwar nicht im Sinne der damals erhobenen Forderung nach einer „Histoire totale“, aber mit einem neuen Interesse an konkreten Voraussetzungen und Folgen der staufischen Herrschaft gelang es, die Staufer als Produkte ihrer Lebensumstände zu charakterisieren.
Es könnte naheliegen, die Anlage des Werks auf die Veränderungen zurückzuführen, für die heute die Chiffre „1968“ steht, eine Abkehr von der Fixierung auf Eliten und einen neuen soziologischen Impuls etwa. Wissenschaftsgeschichtlich allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die für Engels grundlegenden Forschungen etwa von Karl Schmid bereits vom Ende der 1950er Jahre stammen und damit eigentlich als geistige Kinder der Ade-nauer-Ära verstanden werden müssen. Den Lesern der 1970er Jahre aber dürfte das Werk durchaus zeitgenössisch erschienen sein, und seine lange Erfolgsgeschichte zeugt von der Solidität der Arbeit.
Es dauerte mehr als 25 Jahre, bis grundsätzlich neue Aspekte das Bild der Staufer veränderten. Werner Hechberger wies auf die Fragilität der Vorannahme hin, dass Adelshäuser wie „Staufer“ oder „Welfen“ tatsächlich geschlossene Blöcke waren, durch die das Handeln ihrer Mitglieder bestimmt wurde. In dieser Sicht erscheinen die Staufer weniger als Exponenten eines Familienverbandes denn als politisch mehr oder minder auf eigene Rechnung Agierende, deren Handeln von ganz anderen Maßgaben gesteuert wurde.
Hierzu gehörte etwa der honor, ein insbesondere unter Friedrich Barbarossa häufig anzutreffender Begriff, dessen Relevanz Knut Görich in seiner Habilitationsschrift (Die Ehre Friedrich Barbarossas, Darmstadt 2001) betont hat. Mittlerweile wird unter honor weniger „Ehre“ allein verstanden als vielmehr, unter Zuhilfenahme soziologischer Kategorien, „symbolisches Kapital“ (Pierre Bourdieu), durch das ein Miteinander in der „Ranggesellschaft“ des Hochmittelalters wesentlich gesteuert wurde. Honor gilt seither als eine der wesentlichen „Ordnungskonfigurationen“ (Stefan Weinfurter) der staufischen Epoche.





