Nein, war es nicht, wie Christian Hartmann vom Institut für Zeitgeschichte in München zeigt. Er wählt einen Zugang, der ihm eine sehr dichte Beschreibung dieses Krieges erlaubt: Er untersucht ihn auf der Hierarchie-Ebene der Divisionen. Dazu betrachtet Hartmann exemplarisch fünf dieser Einheiten: eine traditionsreiche Panzer- und eine ebensolche Infanteriedivision, eine erst später aufgestellte Infanteriedivision und zwei Besatzungsverbände. Über diese Einheiten trägt er nahezu alles an quellenfähigem Schriftgut zusammen, was greifbar war: von den offiziellen Dienstakten, wie beispielsweise den Kriegstagebüchern, über Personalakten bis hin zu privaten Aufzeichnungen und Feldpostbriefen sowie nachträglich ausgearbeitete Divisions- und Regimentsgeschichten und Verbandsschrifttum der Kameradschaften.
Bei der Auswertung dieses umfangreichen Materials geht Hartmann vergleichend vor. Er untersucht die ganze Breite der jeweiligen Sozialstruktur der einzelnen Verbände, zeichnet detailliert deren militärische Operationen und Vormarschwege nach, beschreibt die Räume, in denen sich das Geschehen vollzog, um schließlich die durch diese Einheiten verübten Verbrechen zu schildern und in den Kontext der internen militärischen Strukturen wie der äußeren Kriegsereignisse zu stellen.
Hartmanns Ergebnisse weisen dabei ebenso über den Rahmen der fünf Divisionen wie über die im Titel des Buches gesetzte zeitliche Grenze des Jahres 1942 hinaus. Sein Buch, auch angesichts seines beträchtlichen Umfangs und der schieren Zahl von insgesamt fast 5 000, häufig sehr ausführlichen Fußnoten, nicht immer eine leichte Lektüre, trägt erheblich zum besseren Verstehen der Eskalationsmechanismen dieses grauenhaften Krieges bei.
Rezension: Dr. Peter Steinkamp





