Die Gewalttaten deutscher Truppen gegen Zivilisten und gefangene Partisanen verliefen, regional unterschiedlich, in Wellen. Am Anfang standen die Zusammenstöße bei der deutschen Besetzung 1943, dann aber – beim Rückzug vor den Alliierten – kam es vor allem zur Ermordung von Zivilisten, die sich gegen deutsche Gewalt und Plünderung wehren wollten. Ihren Höhepunkt erreichten die Massaker im Sommer 1944, als sich die Wehrmacht aus Mittelitalien zurückzog und zugleich der Partisanenkrieg eskalierte. Die deutschen Befehlshaber verschärften nun gezielt die Gewaltmaßnahmen, obwohl die Wehrmacht-Führung eher ein rechtskonformes Vorgehen anmahnte. Erst Ende 1944 kam es zur Deeskalation, gleichzeitig wurden den Partisanen schwere militärische Schläge versetzt.
Der Autor analysiert in einem zweiten Schritt die Rolle der einzelnen Verbände und ihres Personals. Dabei schält sich heraus, dass Einheiten der Waffen-SS deutlich brutaler vorgingen, gefolgt von Bodenverbänden der Luftwaffe. Vor allem junge Offiziere und Soldaten radikalisierten das Vorgehen; diese schwankten zwischen einer Angstpsychose angesichts des „unsichtbaren“ Gegners und der Bereitschaft zu äußerster Gewalt. Freilich kann Gentile zeigen, dass trotz aller individueller „Mikrogewalt“ die Rolle der Befehlshaber von entscheidender Bedeutung blieb. Dies lässt sich gerade am unterschiedlichen Vorgehen der einzelnen Verbände dokumentieren, denn manche von ihnen griffen kaum zu Repressalien.
Insgesamt bleibt jedoch zu konstatieren, dass die Wehrmacht und besonders die Waffen-SS auch in Italien schnell bereit waren, völkerrechtliche Regeln zu verletzen und Kriegsverbrechen zu begehen. Ob dies aus stärker situativen und militärischen Konstellationen herrührte und weniger aus rassistischen Grundüberzeugungen, wie der Autor feststellt, muss noch im Vergleich zum sowjetischen Kriegsschauplatz untersucht werden. Auf jeden Fall kann man den Hut ziehen vor dieser imponierenden Forschungsleistung.
Rezension: Prof. Dr. Dieter Pohl





