Bronzezeitkultur im Kaukasus
Vor rund 5600 Jahren, während in Mesopotamien die Stadt Uruk erblühte, entwickelte sich im Kaukasus die wenig erforschte frühbronzezeitliche Kura-Araxes-Kultur. Diese Menschen lebten in Siedlungen aus Rundhäusern und Gruben entlang der Flüsse, betrieben Landwirtschaft und fertigten in Schmelzöfen Waffen und Schmuck aus Bronze. Aus Funden von Traubenkernen in ausgegrabenen Tongefäßen weiß man zudem, dass die Kura-Araxes-Menschen auch bereits Weintrauben nutzen und wahrscheinlich auch Wein herstellten.
Einen ungewöhnlichen Fund haben nun Archäologen der Ca Foscari Universität in Venedig in Aradetis Orgora, 100 Kilometer westlich der georgischen Hauptstadt Tiflis gemacht. Gemeinsam mit georgischen Forschern führen sie dort seit 2013 regelmäßig Ausgrabungen in den Überresten einer Kura-Araxes-Siedlung durch.
Ungewöhnlicher Fund im Kult-Schrein
In der Grabungssaison 2015 erschlossen die Archäologen eine große rechteckige Struktur mit abgerundeten Ecken, die sie aufgrund der Anlage und einiger Funde als eine Art kultischen Schrein interpretieren. In diesem Schrein entdeckten die Forscher neben einen größeren Tonkrug eine echte Rarität: zwei Gefäße in Form eines Tieres. Die länglichen, gewölbten Tongefäße stehen auf drei kleinen, fußähnlichen Vorsprüngen und repräsentieren offenbar den Körper eines Tieres, der Kopf fehlt jedoch. Am Rücken findet sich ein Ausgießloch.
Datierungen ergaben, dass diese Tongefäße um 3000 v. Chr. entstanden und damit definitiv aus der Zeit der Kura-Araxes-Kultur stammen. Das Besondere daran: Solche zoomorphischen Gefäße waren bisher für diese Zeit und Kultur nicht bekannt, wie die Forscher erklären. Sie vermuten, dass diese Behälter für kultische Zwecke im Schrein verwendet wurden.
Wein als Opfer für die Götter?
Bei näherer Untersuchung der Gefäße entdeckten die Forscher Rückstände von Wein und Weinpollen im Inneren. “Das ist ein bedeutender Fund”, erklärt Elena Rova von der Ca Foscari Universität. “Denn der Kontext dieser Entdeckung spricht dafür, dass die Menschen der Kura-Araxes-Kultur den Wein aus dem Tonkrug in die Tiergefäße füllten und diesen dann in ihnen den Göttern opferten – möglicherweise wurde der Wein auch im Rahmen eines Rituals von den Teilnehmern getrunken.”
Nach Angaben der Archäologen ist dies der früheste Beleg für eine rituelle Nutzung von Wein in dieser Kultur. Gleichzeitig belege dies, dass die Weinkultur Georgiens bis in die frühe Bronzezeit reiche. Noch heute bilden stark ritualisierte, zeremonielle Toasts mit Wein den Kern der sogenannten Supra, traditioneller Festbankette der georgischen Kultur.





