Der Mann in der Kutsche, Winston Spencer Churchill, quittierte die Huldigungen mit einem Lächeln; die Schmähungen prallten an ihm ab. Seine Laufbahn zeigte steil nach oben. Er gehörte zu den wichtigsten Ministern im Kabinett von Premierminister Herbert Henry Asquith (amt. 1908–1916). Und dass er kaum jemanden gleichgültig ließ, war mehrfach deutlich geworden: Bei einem Streik von Bergarbeitern in Südwales hatte Churchill Truppen zur Unterstützung der Polizei in Bewegung gesetzt, ließ sie aber in Cardiff anhalten und schickte zur Deeskalation 270 unbewaffnete Londoner Polizisten. Als er bei der Belagerung eines Hauses in der Sydney Street, in der sich drei Polizistenmörder verschanzt hatten, offenbar aus Abenteuerlust den Schusswechsel in vorderster Linie miterlebte und der Polizei Anweisungen gab, fanden zahlreiche Kommentatoren dieses Verhalten eines Ministers Seiner Majestät unwürdig. Doch seinem Bekanntheitsgrad taten derartige Episoden gut.
Auch privat lief es glänzend: Kurz vor der Krönung Georgs V. hatte Gattin Clementine den einzigen Sohn des Paares, Randolph, zur Welt gebracht.
Der Hoffnungsträger läuft zur Höchstform auf: „Er hat die Marine bereit gemacht“
Im Oktober 1911 bot ihm Asquith das Amt des First Lord of the Admiralty an, worauf Churchill freudig einging. Damit war er erster Berater der Regierung in Marineangelegenheiten und politischer Leiter der Admiralität. Er stürzte sich mit dem für ihn so typischen Enthusiasmus auf die neue Aufgabe. Knapp 30 Jahre später, als er 1940 zunehmend als ein Kandidat für das Amt des Premierministers angesehen wurde, konnten seine Freunde auf das vielleicht wichtigste Verdienst seiner frühen Jahre verweisen: „He got the Navy ready“ – er habe die britische Marine für den 1914 ausbrechenden „Großen Krieg“ bereit gemacht.
Das maritime Wettrüsten zwischen Großbritannien und Deutschland hatte vor dem Ersten Weltkrieg Fahrt aufgenommen. Churchill betonte, dass sein Land für jedes neue deutsche Schlachtschiff zwei „Super-Dreadnoughts“ (der neueste Typ dieser speziellen britischen Klasse von Schlachtschiffen) in Dienst stellten müsse. Er bestand auf der Umstellung der Antriebssysteme von Kohle auf Öl, trieb den Bau von U-Booten voran, richtete „Room 40“, die erste Dechiffrierabteilung der britischen Streitkräfte, ein und schuf den Royal Naval Air Service (Marineflieger).
Weitreichend – und weitsichtig – war Churchills wichtigster Beitrag zur Marinestrategie: Sein Land solle darauf verzichten, im Mittelmeer ein Geschwader zu unterhalten (das könne der Verbündete Frankreich übernehmen), und die Flotte stattdessen zur Verteidigung der Heimat und für eine mögliche Blockade Deutschlands bei den britischen Inseln stationieren. Gleichwohl bot er Deutschland 1912 ein Moratorium im Wettrüsten an, was Wilhelm II. und seine Regierung ablehnten.





