Anfang 1812 stand ein Großteil West- und Mitteleuropas unter französischer Herrschaft oder war von Frankreich abhängig. Der Einflussbereich von Kaiser Napoleon I. Bonaparte erstreckte sich von Spanien über Mitteleuropa und Italien bis nach Österreich-Ungarn. Doch Napoleon wollte mehr: Im Frühjahr 1812 besetzte er zwei zum schwedischen Herrschaftsgebiet gehörende Gebiete und im Frühsommer brach er mit einer “Grande Armée” aus mehr als einer halben Million Soldaten Richtung Osten auf. Der Feldzug Frankreichs und seiner Verbündeten gegen Russland und dessen Verbündeten Schweden hatte begonnen.
Doch der Russland-Feldzug endete tragisch: Nachdem Napoleons Armee zunächst relativ schnell nach Osten vorstieß, musste sie mehrere verlustreiche Schlachten durchstehen. In Moskau angelangt, stellten die Franzosen und ihre Verbündeten fest, dass die Stadt von den Russen evakuiert worden war – es gab dort keine politisch relevanten Personen mehr, die man gefangen nehmen oder zur Kapitulation zwingen konnte. Damit war die Eroberung Russlands gescheitert und Napoleons Armee musste im harten russischen Winter den Rückzug antreten – auch, weil es an Vorräten und Ausrüstung fehlte. In der Folge starben mindestens 300.000 Soldaten der Grande Armée, nur wenige erreichten ihre Heimat.

Von Krankheiten geplagt
“Schuld an diesen enormen Verlusten waren aber nicht primär russische Angriffe, sondern vor allem die bittere Kälte des russischen Winters, zusammen mit Hunger und Krankheiten”, erklären Rémi Barbieri vom Institut Pasteur in Paris und seine Kollegen. Gestützt wird dies unter anderem von einem Armeearzt aus Napoleons Armee, der von Typhus, Durchfällen, Fieber, Lungenentzündungen und Gelbsucht unter den Soldaten berichtete. Als häufigste Erkrankungen und mögliche Todesursache für viele Soldaten galten bisher vor allem das vom Bakterium Rickettsia prowazekii verursachte Fleckfieber und das Schützengrabenfieber, das vom Erreger Bartonella quintana ausgelöst wird.
“Die Entdeckung von Kleiderläusen bei toten Soldaten von Napoleons Armee stützte diese Annahme, denn die Läuse gelten als Hauptüberträger dieser Erreger”, berichten die Forschenden. Zudem wies eine Studie im Jahr 2006 mikrobielle DNA-Spuren bei einigen Soldaten nach, die von diesen beiden Erregern zu stammen schien. “Diese Analysen waren jedoch durch die damals verfügbare Technik eingeschränkt und beruhten nur auf zwei kurzen DNA-Fragmenten”, schreiben Barbieri und sein Team. “Dadurch war die Auflösung nicht hoch genug, um die Präsenz dieser Erreger in Napoleons Armee wirklich eindeutig zu belegen.” Damit blieb offen, welche Krankheiten wirklich in Napoleons “Grande Armée” beim Rückzug aus Russland umgingen.





