Der Titel der Ausstellung mutet in der heutigen Zeit fast widersprüchlich an. Wenzel von Böhmen, der zugleich als Heiliger und Herrscher in die Geschichte einging, verkörpert in beeindruckender Art und Weise die Verbindung zwischen scheinbar unmöglichen Gegenkomponenten. Sowohl Machthaber als auch Heilige faszinieren aus unterschiedlichen Gründen heraus. Die Verbindung dieser beiden Teile gilt im besonderen Maße als spannend, da die unterschiedlichsten Aspekte seines Lebens und Wirkens dargestellt werden. Faszinierend führen die Objekte durch die Ausstellung, dokumentieren das bewegte Leben des heiligen Wenzel und erzählen von seiner außerordentlichen Bedeutung für die Verbreitung des Christentums und die politische Ära seiner Zeit. Für kurze Zeit werden die wertvollen Schaustücke dem Publikum nun zugänglich gemacht und leiten durch die Jahrhunderte lange Geschichte der Verehrung Wenzels, die unter anderem geprägt ist von Stärke, Glaube und Hoffnung. Die Zusammenführung von weit verstreuten Kunstwerken und ihre Präsentation im Kontext mit verwandten Objekten stellt für jede Ausstellung einen großen Glücksfall dar. Es ist gelungen, die von der UNIQA Versicherung angekaufte prachtvoll ausgestattete Wenzels-Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der aus einer amerikanischen Privatsammlung stammende Codex ist ein wesentliches Dokument der an Berührungspunkten reichen gemeinsamen böhmisch-österreichischen Geschichte. Dieser ist durch den Ankauf wieder nach Europa zurückgekehrt. Der Handschrift wird die Schwesterhandschrift des Prager Malers Matthias Hutský von 1585 aus dem Bestand der Sammlung von Handschriften und alten Drucken der Österreichischen Nationalbibliothek gegenübergestellt. Auf diese Weise werden in dieser Ausstellung zwei beinahe idente Highlights gemeinsam präsentiert.
Die Bilderhandschrift, veranschaulicht in 23 eindrucksvollen Miniaturen die karitativ-christlichen Taten, die politischen Aktivitäten sowie das Wunderwirken nach der Ermordung im Jahr 925/935 des böhmischen Heiligen und Fürsten. Die weitestgehend inhaltsgleiche Parallelhandschrift der Österreichischen Nationalbibliothek wird diesem Codex gegenübergestellt. Als Vorbild dienten beiden Miniaturzyklen die Freskenausstattung der Wenzelskapelle im Prager Veitsdom. Weitere exquisite Kostbarkeiten, die nachstehend beschrieben werden, runden die Ausstellung ab.
Kurz nach dem Tod des heiligen Wenzel im Jahr 925/935 setzte eine reiche Legendenbildung ein. In den literarischen Quellen wird Wenzels Stellung als Nachfolger Christi betont oder seine politische Rolle in den Vordergrund gerückt. Thematisch schließen die später einsetzenden bildlichen Darstellungen daran an, wobei einzelne Motive, wie etwa der Brudermord durch Boleslav besondere Verbreitung fanden. Aus der Epoche Karl IV. (1316 – 1378) stammen der nach dem Herkunftsort benannte Krumauer Bildercodex und die vom Notar der königlichen Kanzlei in Böhmen in Auftrag gegebene und nach ihm benannte Welislaw-Bibel, die durch ihren erzählerischen Reichtum bestechen.





