Mit rund 150 Objekten und Dokumenten veranschaulicht die Präsentation ein museal bisher kaum behandeltes Thema. Auch wird der Bogen zu den bis heute andauernden Diskussionen um personelle Kontinuitäten nach 1945 sowie zu tagesaktuellen Themen geschlagen.
Fragebogen zu NS-Vergangenheit
In drei großen Abschnitten zeichnet die Ausstellung den Versuch der vier Siegermächte nach, die Voraussetzungen für einen politischen Neuanfang in Deutschland zu schaffen. Ausgehend von den ersten Überlegungen im Jahre 1943 widmet sich der erste Teil dem breiten Spektrum der Entnazifizierungsmaßnahmen der vier Besatzungsmächte – von der Beseitigung aller Symbole und Spuren des NS-Staates im öffentlichen Raum über die Verurteilung der Hauptkriegsverbrecher in den Nürnberger Prozessen bis hin zur automatischen Festsetzung von NS-Funktionären und Mitgliedern der SS und der Gestapo in Internierungslagern. Alle anderen Unterstützer des NS-Regimes versuchte man mithilfe eines Fragebogens zu erfassen, der millionenfach an die Bevölkerung ausgegeben wurde. Filmausschnitte, Fotos, Dokumente und zahlreiche Alltagsgegenstände zeichnen in dieser Sektion ein lebendiges Bild von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Entnazifizierung.
Das juristische Verfahren selbst steht im Zentrum des zweiten Themenraumes. Auf drei Großbildschirmen präsentiert die Ausstellung zwölf ausgewählte Fälle, die das umständliche Procedere und die Schwierigkeiten der politischen Säuberung dokumentieren. Namhafte Persönlichkeiten wie die Schauspielerin Grethe Weiser und der Siemens-Funktionär John Rabe, aber auch einfache Bürger, die als Lehrer oder Bäckermeister tätig waren, stehen hier exemplarisch für Millionen von Personen, die das Verfahren durchliefen.
Unterschiede in den verschiedenen Besatzungszonen
Die Entnazifizierung war ein Verwaltungsakt und produzierte tonnenweise Papier. Eine Installation in Gestalt einer „Wolke” verweist darauf. Zunächst von den Besatzungsmächten, dann von deutschen Instanzen wurden zahlreiche Gesetze und Verordnungen erlassen. Die unterschiedliche Vorgehensweise bei der Entnazifizierung in den Besatzungszonen wird ebenso thematisiert wie die Versuche vieler Betroffener, sich dem Verfahren mit eidesstattlichen Unschuldserklärungen, den sogenannten „Persilscheinen”, zu entziehen.
Ist die Entnazifizierung gelungen oder gescheitert? Der letzte Teil der Ausstellung schildert das Ende der Entnazifizierungspolitik unter dem Einfluss des Kalten Krieges und versucht eine Bilanz. Zeitgenössische Karikaturen und Wahlplakate zeugen von der fehlenden Akzeptanz der Säuberungsmaßnahmen in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Weitere Fallbeispiele wie die von Veit Harlan und Werner von Braun zeigen die Probleme und Grenzen der politischen Säuberung auf. Trotzdem entstand aus einer Gesellschaft, die das NS-Regime hervorgebracht und getragen hatte, in kurzer Zeit eine stabile, von einer breiten Mehrheit getragene Demokratie.





