46 v. Chr.: Gaius Julius Caesar hat seine wichtigsten Gegner im Bürgerkrieg ausgeschaltet. Den Rubicon hatte er drei Jahre zuvor überschritten, weil ihm der Senat, wie er sagte, seine „dignitas“ habe nehmen wollen, ihm die gebührende Ehrenstellung verweigert habe. Nun wieder zurück in Rom beginnt er ein umfangreiches, wenn auch nicht tief greifendes Reformprogramm und lässt nichts unversucht, sein Ansehen zu steigern. Dazu gehört neben Projekten wie dem Forum Iulium als ganz wichtiger Baustein ein Triumph, ein Festzug, der Lohn für seine Leistungen im Krieg.
Im Jahr 60 v. Chr. hatte der Julier es noch hinnehmen müssen, dass seine Gegner im Senat ihn ausmanövriert und gezwungen hatten, auf den spanischen Triumph zu verzichten. Nun aber liegen die Dinge anders, nun hat er als Dictator auf zehn Jahre eine für die Republik unerhörte Machtposition, nun genehmigt er sich den Triumph selbst, ohne auf die Querulanten der Führungsschicht Rücksicht nehmen zu müssen. Und er will alles übertreffen, was dem Publikum bis dahin geboten worden war. Gigantische Festspiele mit Seeschlachten umrahmen vier Triumphe an vier aufeinander folgenden Tagen. Immerhin gab es gewaltige Siege über Gallien, Ägypten, Pontos und Africa zu feiern.
Sensibel beobachtet wird dabei vor allem die Darstellung des Sieges über den Numiderkönig Iuba, denn jeder wusste, dass dieser als Verbündeter von Caesars Gegner Cato im Bürgerkrieg gekämpft hatte – ein Sieg über Römer war aber nicht triumphfähig. Daher ist es auch ausgeschlossen, Caesars größten militärischen Erfolg zu verherrlichen, den Sieg über Pompeius bei Pharsalos.
In Oldenburg schlüpften rund 250 Schüler, Lehrer und Studenten in die Rollen von Legionären, Liktoren und Senatoren, um ihren siegreichen Feldherren Julius Caesar und gleich alle vier Triumphe an einem Tag zu feiern. Der Triumphator (Student Odysseus Savvides) selbst bildete mit seinem Streitwagen den Mittelpunkt des Zugs. An der Spitze schritt Michael Sommer, Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte an der Universität Oldenburg, als Stellvertreter Caesars in dessen Funktion als Pontifex Maximus (höchster Priester).
Auf ihrem Weg Richtung Oldenburger Schlossplatz sorgten die als Legionäre verkleideten Siebtklässler mit ihren nachempfundenen Tubae (tuba: römisches Blasinstrument) für die nötige Aufmerksamkeit und bedachten den Triumphator mit lateinischen Spottgesängen, indem sie seine Ausstrahlung auf Frauen, seinen lockeren Umgang mit Geld und sein angeblich homoerotisches Verhältnis zu Nicomedes von Bithynien aufs Korn nahmen – der historische Caesar soll nicht amüsiert gewesen sein.
Dazwischen ertönte immer wieder der begeisterte Ruf „Io triumphe!“. Hatten doch die Gallier einst Rom erobert, und jetzt wurde der gefährliche Vercingetorix in Ketten vorgeführt; hinter ihm rührte die ägyptische Prinzessin Arsinoe die Zuschauer wie damals auf der römischen „via triumphalis“. Die Veranstaltung endete auf dem Schlossplatz vor der Alten Wache. Dort sprach der Triumphator Caesar sein Urteil über die Gefangenen und spendete Brot und (essbares) Gold an das neugierige Publikum. Im Anschluss konnten sich die Zuschauer mit den besiegten Gegnern vertraut machen und durch zahlreiche Mit-Mach-Aktionen die kulturelle Vielfalt der Antike kennenlernen. Nicht zuletzt bewies das große Medienecho, dass die Veranstaltung einen Nerv getroffen hat.





