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Wettkämpfe im Schnee
Geschichte & Archäologie

Wettkämpfe im Schnee

Die Olympischen Winterspiele finden 2026 zum 25. Mal statt. Inzwischen besuchen Hunderttausende die Winterolympiade. Doch 1924 startete das Sportgroßereignis im französischen Chamonix mit gerade einmal neun Sportdisziplinen und 258 Athleten – ohne deutsche Beteiligung.
Autor
Maximilian Göbel
05. Februar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

„Ich erkläre diese Winterspiele von Chamonix, die anlässlich der VIII. Olympiade stattfinden, für eröffnet.“ Mit diesen Worten verkündete der französische Politiker und Unterstaatssekretär Gaston Vidal am 25. Januar 1924 den Start der Internationalen Wintersportwoche im kleinen Ort Chamonix. Bislang war die verschlafene Ortschaft vor allem bei Sommerbergsteigern beliebt, nun sollten in den kommenden zwölf Tagen 258 Athleten aus 16 Ländern in verschiedenen Wintersportdisziplinen am Fuß des Mont Blanc um Medaillen wetteifern. Das Sportereignis wurde als Anhängsel und Auftakt für die großen Olympischen Sommerspiele in Paris ins Leben gerufen und erst zwei Jahre später offiziell als erste Olympische Winterspiele betitelt.

Bei der Entscheidung über den Austragungsort konnte sich Chamonix durchsetzen. Als ausschlaggebendes Argument zog das französische Nationale Olympische Komitee den neu erbauten Bahnhof in Chamonix heran, der eine bequeme Anreise ermöglichen würde. Der Plan ging auf: Etwa 10.000 Besucherinnen und Besucher wohnten der Wintersportwoche bei. Neun Sportdisziplinen standen auf dem Programm: Eröffnet wurde mit dem Eisschnelllauf, es folgten Eiskunstlauf, Curling, Skilanglauf, Viererbob, Eishockey, Skispringen, Nordische Kombination (Skispringen und Skilanglauf) und der Militärpatrouillenlauf, ein Vorläufer des Biathlon. Frauen traten nur beim Eiskunstlauf an.

Bei der Eröffnungsparade zogen die Athleten der 16 Länder in alphabetischer Reihenfolge in das eigens erbaute Stade Olympique de Chamonix ein – damals noch vor einem kleinen Publikum mit rund 300 Menschen. Zum Vergleich: 2022 besuchten Zehntausende die Eröffnungsfeier in Peking. Deutsche Athleten hatten 1924 noch keine Einladung zu den Spielen erhalten – das Verhältnis zu Frankreich war nach Ende des Ersten Weltkrieges und dem Versailler Vertrag weiterhin angespannt.

Schnee, Stars und Schlägereien

Für die erstmalige Austragung eines internationalen Wintersportereignisses dieses Ausmaßes verliefen Planung und Umsetzung zunächst überraschend rund. Man errichtete eine Sprungschanze, Bobbahn und den olympischen Park für Eishockey, Curling und Eiskunstlauf. Doch die Witterung machte einige Wochen vor Eröffnung der Spiele einen Schnitt durch die Rechnung: Innerhalb von nur 24 Stunden fielen 1,70 Meter Schnee über dem Tal von Chamonix-Mont-Blanc und bedeckten das Areal für Eiskunst- und Eisschnelllauf unter einer weißen Decke. Hunderte Einheimische machten sich ans Schneeschippen und schaufelten mit Unterstützung der französischen Armee die Fläche frei – zum Glück, denn der Eiskunstlauf sollte für einen weiteren besonderen Moment sorgen.

Die kleine Sonja Henie betrat am Wettkampftag der Eiskunstläuferinnen die geräumte Eisfläche. Eine Sensation, da die Norwegerin mit elf Jahren bis zu diesem Zeitpunkt die jüngste Athletin war, die an Olympischen Spielen teilgenommen hatte. Zwar erreichte sie 1924 nur den achten und damit letzten Platz, gewann aber bis 1936 drei Mal olympisches Gold, bevor sie sich aus dem Eiskunstlauf zurückzog, um eine Schauspielkarriere in Hollywood zu verfolgen.

Trotzdem riefen die Eiskunstläufer beim Publikum nur verhaltene Begeisterung hervor, ganz im Gegensatz zum Eishockey. Das Turnier aus acht Mannschaften in zwei Gruppen war in erster Linie eine Machtdemonstration der nordamerikanischen Teams. Kanada besiegte in der Vorrunde die Tschechoslowakei mit 30:0, Schweden mit 22:0 und die Schweiz mit 33:0. Im Halbfinale gewannen sie mit nur 19:2 gegen Großbritannien. Parallel marschierten die USA mit 19:0, 22:0 und 11:0 an Belgien, Frankreich und Großbritannien vorbei und besiegten Schweden im Halbfinale mit 20:0. Das Finale war ein Kassenschlager, knapp 2000 Begeisterte wollten dem Aufeinandertreffen der Giganten beiwohnen. Und was das für eine Begegnung war! Aus dem Eishockeyspiel wurde schnell eine hitzige Auseinandersetzung, die an eine Kneipenschlägerei erinnert haben muss. Die Spieler trugen zu dieser Zeit keinerlei Schutzausrüstung und Helme, stattdessen Baskenmützen oder Kappen, sodass es zahlreiche Verletzte gab. Die Kanadier waren den US-Amerikanern schließlich mit den Fäusten und in Sachen Punkten überlegen – 6:1 endete die furiose Partie.

Die Wintersportwoche endete am 5. Februar mit einer feierlichen Rede des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Pierre de Coubertin. Auch mit Blick auf das intensive Hockeyfinale resümierte dieser: „Sie waren vielleicht überrascht, dass diese Sportarten so körperbetont und aggressiv sind. […] Es ist eine Schule der Kühnheit, Energie und Willenskraft!“
Die XXV. Olympischen Winterspiele finden vom 6. bis zum 22. Februar 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo statt.

OlympiadeWintersport
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