Mit Floß und Segel über den Ozean
Der Mensch hat sich im Laufe seiner Geschichte bis in die entlegensten Gegenden der Erde ausgebreitet – und das mit primitivsten Mitteln. Besonders erstaunlich ist in diesem Zusammenhang die Besiedelung der Südsee: Schon vor 3400 Jahren erreichten frühe Seefahrer die Inseln im östlichen Mikronesien, wenig später auch die Salomonen und Fidschi. Selbst die Tausende von Kilometern entfernten Inseln Hawaiis und die Osterinsel wurden schon vor mehr als 1000 Jahren besiedelt.
“Wo kamen diese Leute her? Und wie schafften sie es, diese wirklich entlegenen Orte zu erreichen?”, fragt Scott Fitzpatrick, Anthropologen an der University of Oregon. Zwar weiß man heute, dass die Besiedlung des pazifischen Raumes vom asiatischen Festland ausging und dann immer weiter nach Westen fortschritt. Die genauen Routen der frühen Seefahrer aber sind nur in wenigen Fällen bekannt.
Prähistorisches “Inselhopping” rekonstruiert
Fitzpatrick und seine Kollegen haben nun die erstmals die Besiedlungsgeschichte von fünf pazifischen Inselgruppen näher analysiert: dem westlichen Mikronesien mit Palau und den Marianen, dem östlichen Mikronesien mit den Marshall-Inseln, der Marquesas und Gesellschaftsinseln, von Hawaii und Neuseeland sowie der Osterinsel. Sie nutzten dabei Computersimulationen und Klimamodelle, um Meeresströmungen, Windverhältnisse und die Auswirkungen von Klima-Anomalien wie dem El-Nino-Phänomen zur Zeit der Kolonisierung der Inseln zu rekonstruieren.
“Die Simulation zeigt für jeden beliebigen Zeitpunkt, wo jemand gelandet wäre, wenn er von Punkt A aus gedriftet wäre. Wir können aber auch gerichtete Seereisen nachvollziehen”, erklärt Fitzpatrick. Wie auch andere Forscher geht er davon aus, dass die Vorfahren der heutigen Inselbewohner wahrscheinlich die jeweils kürzesten Seerouten nutzen und eine Art “Inselhopping” betrieben. Außerdem mussten sie Zeiten ausnutzen, in denen die Winde günstig wehten.
Von den Molukken und Neuguinea aus nach Samoa
Die Rekonstruktionen ergaben: Die ersten Bewohner des westlichen Mikronesien begannen ihre Seereise wahrscheinlich nicht von Taiwan oder den Philippinen aus, sondern eher von den Molukken. Denn vor allem in El-Nino-Sommern gab es günstige Westwindphasen, die sie von dort aus direkt ans Ziel trieben. Die Inseln im östlichen Mikronesien wurden dagegen wahrscheinlich von Neuguinea aus besiedelt, wie die Forscher berichten.
Der nächste Schritt im Inselhopping brachte die prähistorischen Seefahrer von Palau erst auf die Salomonen, dann über Fidschi und Tonga nach Samoa. Von dort aus kolonisierten die Siedler den Rest Polynesiens. Zuerst erreichten sie dabei die weiter östlich liegenden Marquesas und Gesellschaftsinseln. “Wenn diese Seereisen im April begannen, hätten sie aufgrund günstiger Winde am kürzesten gedauert und die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit gehabt”, erklären Fitzpatrick und seine Kollegen.





