Einen einheitlichen „Habsburgerstaat“ gab es nicht. Stattdessen setzte sich das Territorium aus vielen verschiedenen Gebieten mit unterschiedlichen Herrschaftsstrukturen zusammen. Die Habsburger waren eine „Familie mit vielen Kronen“ (so Roman Sandgruber): Sie stellten etwa 20 deutsche Könige, die zumeist (und ab 1508 immer) zugleich römischer Kaiser waren, sowie (oftmals in Personalunion) böhmische und ungarische Könige. Hinzu kamen viele weitere Titel und Gebiete. Auch sieben spanische Könige waren Mitglieder der weitverzweigten Habsburger.
Roman Sandgruber ermöglicht es mit seinem ansprechend gestalteten und sehr kurzweilig geschriebenen Werk, die Geschichte der Habsburger-Dynastie näher kennenzulernen. Die beigefügten Stammtafeln helfen, bei der Lektüre den Überblick zu behalten.
Zunächst schildert Sandgruber die Grundlagen dynastischer Herrschaft als Herrschaft einer Familie. Sodann porträtiert er mehr als 30 Persönlichkeiten aus dem Haus Habsburg auf jeweils einer Handvoll Seiten. Der Autor beschreibt nicht nur die Könige beziehungsweise Kaiser, sondern auch prominente Persönlichkeiten wie Rudolf den Stifter, Erzherzog Johann, Kaiserin Elisabeth („Sisi“), ihren Sohn Rudolf und den 1914 in Sarajevo ermordeten Thronfolger Franz Ferdinand.
Die heute neben Elisabeth bekannteste und gerade die Architektur Wiens stark prägende Figur ist Kaiser Franz Joseph I. Seiner 68 Jahre währenden Regentschaft widmet Sandgruber sogar zwei Kapitel. Es gelingt dem Autor, den Charakter und die politische Bedeutung der verschiedenen Persönlichkeiten überzeugend darzustellen.
Er zeigt mit seinem Buch die positiven und negativen Seiten einer dynastischen, über viele Jahrhunderte währenden und viele Gebiete umfassenden Herrschaft: Kinderreichtum ermöglichte es in Zeiten hoher Kindersterblichkeit, die Nachfolge zu sichern und durch Heiraten viele verschiedene Territorien zu erwerben.
Zugleich förderten die strengen Hochzeitsvorgaben aber Ehen in der Verwandtschaft, was zu auch äußerlich erkennbaren Erbkrankheiten wie der berühmten „Habsburger-Lippe“ und weiteren körperlichen sowie auch geistigen Behinderungen führte. Außerdem verschlang die Hofhaltung der vielen verschiedenen Familienmitglieder, auch solcher ohne Herrschaftsgebiet, Unsummen.
Es ist unbestritten, dass die Habsburger ein großartiges kulturelles Erbe hinterlassen haben – als Sammler, als Kunst- und Musikförderer und als Bauherren. Der von ihnen geförderte Architekturstil prägt ihre ehemaligen Herrschaftsgebiete, vor allem im früheren Österreich-Ungarn, noch heute. Selbst wer sich schon näher mit den Habsburgern befasst hat, dürfte bei Sandgruber manches Neue entdecken.
Rezension: Prof. Dr. Philipp Austermann
Roman Sandgruber
Habsburg
Die wichtigste Dynastie der Welt
Molden Verlag, Wien 2025, 320 Seiten, € 38,–





