Nach Ende des von relativ milden, günstigen Bedingungen geprägten Mittelalters begann im 16. Jahrhunderts eine ungewöhnlich kalte Klimaphase in Europa. Die Ostsee und viele Flüsse froren in dieser Zeit mehrfach zu, Alpengletscher rückten bis in die Täler vor und die Sommer blieben kühl und regenreich. Die Folge dieser “Kleinen Eiszeit” waren vielerorts Missernten, Hungernöte und Epidemien, wie historische Quellen belegen. Allerdings trat diese Abkühlungsphase nicht überall zur gleichen Zeit auf, sondern es gab auch innerhalb Europas regionale Unterschiede. Dadurch variieren auch die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen der “Kleinen Eiszeit” je nach Region.

Transsylvanien als Puffer zwischen zwei Machtblöcken
Wann und wie sich die kleine Eiszeit in Transsylvanien zeigte, hat nun ein Team um Ovidiu Gaceu von der Universität Oradea in Rumänien näher untersucht. Transsylvanien war zu jener Zeit ein eigenes Fürstentum, das nach dem Fall des ungarischen Königreichs im Jahr 1526 zum ottomanischen Herrschaftsbereich gehörte. Wirtschaftlich war Transsylvanien jedoch stärker an das von den Habsburgern regierte Mitteleuropa angebunden. “Trotz der ottomanischen Herrschaft genoss Transsylvanien eine größere Autonomie als seine Nachbarn Wallachei und Moldawien”, erklären die Historiker. Eine gemischte Bevölkerung aus Rumänen, Ungarn, Sachsen und Siebenbürgen förderte zudem den kulturellen Austausch und die sozioökonomische Entwicklung.
Insgesamt spielte diese Region damals eine wichtige Rolle als Pufferzone zwischen Einflussgebieten der Habsburger und Ottomanen. Deshalb wollten Gaceu und sein Team wissen, wie sich die Klimaveränderungen auf diese Pufferregion ausgewirkt haben. “Unsere Forschung konzentriert sich auf die Analyse von schriftlichen Dokumenten und anderen relevanten historischen Quellen, die direkte und indirekte Zeugnisse zu klimatischen Phänomenen dieser Region liefern”, erklären die Historiker. “Durch die Integration von Klimadaten mit sozioökonomischen Aufzeichnungen erhalten wir eine ganzheitliche Perspektive darauf, wie das Klima im 16. Jahrhundert die regionale Entwicklung geprägt hat.” Unter den ausgewerteten Schriften waren Tagebücher, Reiseberichte, Pfarr- oder Klosterregister und andere weitere Dokumente.
Auswirkungen der “Kleinen Eiszeit” kamen verzögert
Die Auswertungen dieser historischen Quellen zeichnen ein Bild, das sich klimatisch zunächst von dem im westlicher gelegenen Teil Europas unterscheidet. Denn in Transsylvanien war die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts eher heiß und trocken als kühl und regnerisch: „Eine eindringliche Passage dazu stammt aus einem historischen Dokument, das den Sommer 1540 beschreibt: “Die Quellen trockneten aus, und die Flüsse schwanden zu bloßen Rinnsalen. Das Vieh fiel auf den Feldern um und Verzweiflung hing in der Luft, als die Menschen sich in Prozessionen sammelten und beteten”, gibt Co-Autor Tudor Caciora von der Universität Oradea die Schilderungen wieder. Die vermehrten Dürren zogen Missernten und Hunger nach sich, verschärft wurde dies durch mehrfache Invasionen von Heuschrecken, wie 1534 und 1586. “Es häuften sich zudem verheerende Brände, die ganze Städte zerstörten, wie Sibiu im Jahr 1556 und Timișoara im Jahr 1585”, berichten die Historiker.





