Während des Wiener Kongresses 1814 bis 1815 debattierten Vertreter europäischer Staaten nach dem endgültigen Sturz Napoleons unter Vorsitz der Großmächte Österreich, Russland, Preußen, Großbritannien und Frankreich über die politische Zukunft Europas. Neue Grenzen wurden gezogen, Völkerschaften wurden hier abgetrennt und dort hinzugefügt: Eine gigantische Neuaufteilung Europas war das Ergebnis. Auch die Schweiz war davon betroffen – der Wiener Kongress verlieh ihr ihre heutigen Außengrenzen. So traten Neuenburg, Wallis und Genf der Eidgenossenschaft bei, während Bern den größten Teil des ehemaligen Fürstenbistums Basel (heute Jura und Berner Jura) zugesprochen bekam. Die sprachliche und konfessionelle Struktur der Schweiz veränderte sich tiefgreifend. Bis heute aktuell ist dabei auch die Anerkennung der Souveränität der Schweiz sowie ihrer immerwährenden Neutralität durch die europäischen Großmächte.
Die Ausstellung nähert sich der Thematik auf originelle Weise an: Straßenumfragen über die Identität und die Neutralität der Schweiz stellen die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Exklusive filmische Interviews mit Historikern liefern als Ergänzung zu den Ausstellungsobjekten weitere Informationen zum Verständnis der schwierigen Frage der schweizerischen Verwurzelung im Herzen Europas. Klassische Exponate wie Porträts, Medaillen und diplomatische Akten fangen die politische Bedeutsamkeit dieser Zeit ein.
Eine in Kooperation mit der Universität Genf entwickelte interaktive Säule thematisiert zudem, wie der Wiener Kongress den Alltag der schweizerischen Bevölkerung beeinflusst hat – nämlich weniger als die Hungersnot der Jahre 1816 bis 17, die durch einen Vulkanausbruch in Indonesien und seine globalen Auswirkungen hervorgerufen wurde. Nicht nur die große Politik steht im Fokus, auch das Leben der einfachen Menschen ist ein wichtiges Thema der Schau. Dargestellt werden die schwierigen Lebensbedingungen der Schweizer dieser Zeit und welche Maßnahmen gegen die Hungersnot ergriffen wurden.





