“We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.” Diese einleitenden Worte der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung sind weltbekannt. Sie gelten bis heute als Pfeiler der US-Demokratie und eines der wichtigsten Dokumente moderner Staatsphilosophie. Hauptautor der Unabhängigkeitserklärung war der spätere US-Präsident Thomas Jefferson, dessen Staatstheorie die Inhalte der Erklärung maßgeblich prägte.
Die 27 „Grievances“
Doch bevor die Unabhängigkeitserklärung vom sogenannten zweiten Kontinentalkongress unterzeichnet wurde, gab es unter den Delegierten der 13 amerikanischen Kolonien heftige Diskussionen über den von Jefferson vorgestellten Textentwurf. Diese konzentrierten sich vor allem auf die 27 „Grievances“, die den beiden Absätzen der Präambel folgten. Sie umfassten eine Auflistung von Anklagen und Beschwerden gegenüber der britischen Krone. „Die 27 Beschwerden sind in drei Gruppen gegliedert: Die ersten zwölf benennen Übergriffe in der Exekutive durch den König und seine Minister, die folgenden zehn kritisieren Handlungen des Parlaments, also der Legislative und in den finalen fünf geht es um den Krieg“, erklärt der Historiker Robert Parkinson von der Binghamton University in New York.
Doch auch wenn die aufgelisteten Kritikpunkte sich auf konkrete Akte der britischen Regierung gegenüber den amerikanischen Kolonien beziehen, stehen dahinter grundlegende Forderungen und Grenzlinien der Demokratie, wie Parkinson erklärt: „Sie umfassten viele Dinge, über die wir uns auch heute noch Gedanken machen: Welche Rolle spielen die Menschen in der Regierung? Wie werden die gewählten Personen kontrolliert? Wie kann das Recht gegenüber Verstößen durchgesetzt werden und wer kontrolliert das Militär?“, so der Historiker. „Die Gründerväter benannten hier ihre roten Linien.“
Zwei Punkte gestrichen, zwei weitere vertauscht
In seiner Forschung hat Parkinson nun einige neue Details zur Entstehungsgeschichte dieser 27 Grievances herausgefunden. Die erste Entdeckung: „Im Rahmen meiner detaillierten Untersuchungen stellte ich fest, dass Jefferson 29 Beschwerden eingereicht hat, nicht 27“, berichtet Parkinson. „Jefferson hatte ursprünglich einen 168 Wörter langen Abschnitt gegen den atlantischen Sklavenhandel eingefügt – mit fantastisch deutlicher Sprache: Er bezeichnet den Sklavenhandel als einen ‚verabscheuungswürdigen Handel‘ – eine Ansammlung von Schrecken.“ Aber der Kongress strich fast die gesamte Passage heraus.
Auch die ursprünglich darüberstehende Beschwerde, in der es darum geht, dass die Briten Loyalisten in den amerikanischen Kolonien durch Versprechungen von Reichtum und Besitz zu Aufständen anstacheln, wurde weitgehend gestrichen. „Wir wissen nicht genau, warum“, so der Historiker. Und noch eine weitere Änderung hat Parkinson entdeckt, als er Originaldokumente der Unabhängigkeitserklärung untersuchte. „Da waren winzige Bleistiftmarkierungen auf Jeffersons Manuskript, die auf eine Änderung der Reihenfolge hindeuteten. Ich konnte kaum glauben, dass ich das nicht schon früher bemerkt hatte“, so der Forscher. Die im Manuskript entdeckten Markierungen legen nahe, dass der 26. und 27. Punkt der Liste getauscht wurden.
Die heute 26. Beschwerde befasst sich mit der Zwangsrekrutierung von Amerikanern, die auf hoher See gefangen genommen und gezwungen wurden, die Waffen gegen ihr eigenes Land zu ergreifen. Die 27. wirft dem britischen König vor, innere Aufstände in den amerikanischen Kolonien zu schüren, indem sich die Briten mit „den erbarmungslosen indianischen Wilden“ verbündeten. „Hier geht es im Prinzip darum, dass versklavte Menschen und Indigene von den britischen Truppen angeworben wurden, um die Rebellion niederzuschlagen“, erklärt Parkinson. Er sieht in diesem Punkt eine Art Höhepunkt der Beschwerden, der auch bei den Kolonisten und Gründervätern eine wichtige Rolle spielte - und möglicherweise deshalb an das Ende gesetzt wurde.
Quelle: Binghamton University: Buch: „Tyrants and Rogues: Understanding the Declaration of Independence”, 2026; ISBN: 978-1-324-12454-2





