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Älteste Bibliothek der Iberischen Halbinsel identifiziert
Geschichte & Archäologie

Älteste Bibliothek der Iberischen Halbinsel identifiziert

Fotogrammetrisches Modell der neu als Bibliothek identifizierten Räume in der römischen Villa von Fuente Álamo nahe Cordoba. · Foto: © Antonio López García

Ein bisher rätselhafter Raum in einer römischen Villa nahe Córdoba hat sich als die älteste Bibliothek der Iberischen Halbinsel entpuppt – und als eine der am besten erhaltenen Privatbibliotheken des römischen Reiches. Der Raum in der Villa Fuente Álamo wurde zuvor irrtümlich für eine Mithras-Kultstätte gehalten. Neue Analysen sprechen jedoch dagegen: Der Raum mit Apsis, Nischen und Podium zeigt die typische Architektur römischer Bibliotheksräume so klar wie an keinem anderen Ort.
Autor
Nadja Podbregar
06. August 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Die römische Villa Fuente Álamo nahe des kleinen Orts Puente Genil in Andalusien ist für ihre prächtigen, gut erhaltenen Mosaiken und Räume bekannt. Im 3. Jahrhundert erbaut und später immer wieder ergänzt, lag sie einst günstig nahe der römischen Via Augusta und unweit der beiden Städte Córdoba und Sevilla. Obwohl das Gebäude schon Ende des 20. Jahrhunderts intensiv untersucht und erforscht wurde, gab jedoch einer ihrer Räume den Archäologen Rätsel auf. Wegen seiner Apsis und Mosaike hielt man diesen Raum 10 bisher für ein Mithräum – einen dem Gott Mithras gewidmeten Kultraum.

„Formgrammatik“ enträtselt Funktion des rätselhaften Raums

Doch jetzt zeigt sich, dass Raum 10 der Villa Fuente Álamo wahrscheinlich einem ganz anderen Zweck diente, wie Antonio López García von der Universität Granada und seine Kollegen herausgefunden haben. Für ihre Studie nutzten sie ein neues Verfahren, das als „Shape Grammar“ - Formgrammatik – bezeichnet wird. „Hierbei handelt es sich um eine computergestützte Methode, die architektonische Grundeinheiten sowie deren Kombinationsmöglichkeiten identifiziert“, erklären die Forscher. Aus der Kombination dieser Baumerkmale mit historischen Daten lässt sich dann ermitteln, welchem Zweck ein Raum einst gedient haben könnte.

Diese Formanalyse ergab für den Raum 10 der Villa Fuente Álamo: Seine Architektur und Aufteilung entsprechen nahezu perfekt der Formensprache römischer Bibliotheken: Er hat eine Apsis an der Stirnwand, ein Podium für Lesungen und Vorträge und in den Seitenwänden gibt es rechteckige und runde Nischen, in denen früher Schriftrollen und Bücher auf Regalbrettern lagen. Die Nebenräume dienten wahrscheinlich als Arbeits- oder Lagerflächen, wie López García und sein Team berichten. Ihrer Ansicht nach spricht dies dafür, dass dieser bisher rätselhafte Raum kein Mithräum, sondern die Privatbibliothek der römischen Villa war.

Bibliothekenkarte

Karte des römischen Reichs mit Standorten öffentlicher und privater Bibliotheken der damaligen Zeit. — © Antonio López García

Perfekte Ergänzung zur Villa dei Papiri in Herculaneum

Die neu identifizierte Bibliothek von Fuente Álamo ist damit nicht nur die älteste der Iberischen Halbinsel, sondern auch die westlichste bekannte im römischen Reich. Wie die Archäologen berichten, handelt es sich bei diesem Raum zudem um die am besten erhaltene Privatbibliothek der römischen Welt – neben der Villa dei Papiri in Herculaneum. Beide ergänzen sich jedoch fast perfekt: Während in Herculaneum zwar ein großer Teil der Schriftrollen erhalten geblieben ist, wurde die Architektur der Bibliothek beim antiken Ausbruch des Vesuvs weitgehend zerstört. In der Villa Fuente Álamo fehlen zwar die Bücher, dafür ist der Bibliotheksraum erhalten.

Zusammen geben beide Villen damit einen guten Einblick darin, wie Privatbibliotheken in der römischen Antike aussahen und ausgestattet waren. Und es gibt eine weitere Parallele: Bei beiden Villen könnte bekannt sein, wem die Bibliotheken einst gehörten. In Herculaneum gilt der Philosoph Philodemos von Gadara als möglicher Besitzer der Schriftrollen. Im Falle von Fuente Álamo könnte ein Sarkophag aus der nahegelegenen Fundstätte Villares del Carril wertvolle Hinweise liefern. Er ist etwa gleich alt wie der Bibliotheksraum der Villa und mit Szenen des Lesens und Unterrichts verziert. Eine der dargestellten Figuren – ein bärtiger Mann mit einer Schriftrolle und einem Kodex – ähnelt zudem einer Person auf einem Mosaik in Fuente Álamo, die als Besitzer der Villa gilt.

Nach Ansicht von López García und seinen Kollegen spricht dies dafür, dass dieser auf dem Sarkophag und in den Mosaiken dargestellte Mann der Besitzer der Bibliothek war. „Die neuen Erkenntnisse zeugen davon, wie eng die ländlichen Eliten der spätantiken Baetica mit der Schriftkultur und der intellektuellen Identität verbunden waren“, erklärt die Universität von Granada. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse auch den Nutzen der architektonischen Formgrammatik. Diese Methode der Architekturanalyse könnte auch offene Fragen in anderen Fundstätten klären helfen.

Quelle: University of Granada; Fachartikel: Journal of Mediterranean Archaeology, doi: 10.1558/jma.35930

AntikeBibliothekRömisches ReichSpanien
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