Bis zu ihrem Ende im Jahr 1989 berief sich die DDR auf ihren Kampf gegen den „Faschismus“ – der Anspruch, all das, was mit dem Nationalsozialismus zu tun hatte, restlos aus der aufzubauenden sozialistischen Gesellschaft zu tilgen, zählte zu den Legitimationsgrundlagen der ostdeutschen Republik. In der Realität war mit der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 bereits klar, dass man die ehemaligen NSDAP-Mitglieder und Mitläufer der Hitler-Diktatur dringend brauchte: als Fachleute und Arbeitskräfte.
Schon 1949 erklärte Wilhelm Zaisser, ein Jahr später erster Minister für Staatssicherheit, in einer Rede vor Funktionären der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zum Umgang mit früheren Nazis: „Wir verlangen nicht den negativen Nachweis des Nicht-Belastetseins, des Neutralseins, sondern den positiven Nachweis des Mitmachens.“ Und tatsächlich zählte die SED 1950 in ihren Reihen rund 175 000 frühere Angehörige der Wehrmacht sowie ehemalige Mitglieder der NSDAP und ihrer Massenorganisationen.





