Die magische Anziehungskraft des Mount Everest beruht bis heute auf seiner Höhe bzw. der Tasache, daß er der höchste Punkt der Erde ist. Doch seit wann ist dies überhaupt bekannt? Das Wissen um die Höhen der Himalaya-Gipfel geht auf britische Landvermessungen im Rahmen der Kartierung Indiens zurück. 1856 wurden die Ergebnisse präsentiert: Gipfel XV sei mit 8840 Metern der höchste, später wurde die Zahl auf 8848 korrigiert, die jüngste Vermessung 1999 gab noch einmal zwei Meter dazu und kam damit auf eine Höhe von 8850 Metern. Andrew Waugh, der Leiter der mit den Vermessungen beauftragten Behörde setzte für Gipfel XV die Bezeichnung Mount Everest durch – benannt nach George Everest, der mit der Kartierung Indiens 1841 begonnen und dabei auch schon die Lage des später nach ihm benannten Berges aufgenommen hatte. Everest selbst war gegen diese Benennung, weil die einheimische Bevölkerung einen solchen Namen nicht aussprechen könne. Doch letztlich setzte sich die koloniale Bezeichnung durch – auch gegen die ungleich klangvolleren Namen, den die Bewohner der Himalaya-Region dem Berg selbst gegeben hatten: Sagarmatha wird er von den Nepalesen genannt, von den Tibetern Chomolungma – beide Bezeichnungen heißen übersetzt “Göttin Weltmutter”.
Die ersten Expeditionen zum Mount Everest fanden in den 1920er Jahren statt. Doch keine erreichte das Ziel. Kälte, eisiger Wind, Sauerstoffmangel, gleißende Sonnenstrahlen, die Schneeblindheit auslösen konnten, unzureichende Bekleidung, die zu wenig Schutz vor Kälte und Nässe bot… – an Gefahren und Widerständen gab es wahrlich keinen Mangel. Die bekannteste Expedition vor der tatsächlichen Erstbesteigung 1953 war jene, bei der George Mallory und Andrew Irvine 1924 ums Leben kamen. Bis heute wird darüber gerätselt, ob die Beiden es bis zum Gipfel geschafft hatten und erst beim Abstieg verunglückten, was aber als unwahrscheinlich gilt.
Es folgten mehrere ebenfalls erfolglose Versuche, doch keine kam über 8570 Meter hinaus. Waren die Expeditionen der 1920er und 1930er Jahre stets aus nördlicher Richtung, von Tibet, ausgegangen, so wurde dieser Weg durch die chinesische Besetzung des Landes 1951 versperrt. Also mußte eine südliche Route, von der nepalesischen Seite her, gesucht werden, liegt der Mount Everest doch genau auf der Grenze der beiden Länder. Dem diente eine Erkundungsexpedition 1951, an der ebenfalls schon Edmund Hillary teilnahm. Dem Neuseeländer (geb. 1919) war die Bergsteigerei wahrlich nicht in die Wiege gelegt. Mit 16 Jahren sah er bei einem Ausflug zum ersten Mal Schnee. Nach zwei Jahren erfolg- und lustlosen Mathematikstudiums übernahm er die väterliche Imkerei. Doch zufrieden stellte ihn diese Arbeit nicht. Er war 20 Jahre als, als eine zufällig Begegnung sein Leben von Grund auf verändern sollte. Hillary machte damals Urlaub in den neuseeländischen Südalpen. In einer Hotelhalle des Ferienortes Hermitage “bemerkte ich zwei junge Männer, die soeben eintraten. Ihre gebräunten Gestalten strahlten Tüchtigkeit aus. Ich hörte die Leute flüstern: ‚Sie haben den Mount Cook bestiegen.‘ Als ich mich etwas verloren um den Knäuel bewegte, sagte einer der beiden: ‚Ich wurde sehr müde, aber Harry zerrte mich wie ein Tiger auf die Spitze.‘ … In einer Ecke der Halle grübelte ich über die tatenlose Leere meines Daseins. Diese Burschen verstanden es, dem Leben etwas Lebenswertes abzuringen. Ich beschloß, Bergsteiger zu werden.” Mit Feuereifer machte sich Hillary in den folgenden Jahren daran, Erfahrung zu sammeln, zunächst in Neuseeland, später in Österreich, der Schweiz und schließlich im Himalaya.





