Diese Frage war an sich sehr berechtigt, denn bis dahin hatte keine einzige britische Gruppe einen wirklich durchschlagenden Erfolg in den USA gehabt. Dass die Reise der “Beatles” ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten dennoch ein Triumphzug wurde, verdankten die “fab’ four” vor allem einem Mann: Brian Epstein. Der Plattenhändler war seit Dezember 1961 Manager der “Beatles”, und er wollte in den USA nichts dem Zufall überlassen – und sich vor allem nicht mit kleinen Auftritten abspeisen lassen. Die “Beatles” ins Gespräch zu bringen, war ihm sehr viel wichtiger als das Geld. Die USA waren der Gradmesser für den Erfolg der Gruppe: “Amerika würde uns als Weltstars entweder machen oder zerbrechen.” Um die Reise seiner Schützlinge vorzubereiten, flog Epstein bereits im November 1963 in die USA, und er machte sofort klar, dass für die “Beatles” nur die größten Hallen und die bekannteste Fernsehshow gut genug wären – und in dieser, der “Ed Sullivan Show”, würden die vier Liverpooler als “Top Act” auftreten oder gar nicht. Schließlich konnte Epstein gar drei Auftritte in der Show vereinbaren, am 9., 16. und 23. Februar. Ein wenig war dem rührigen Manager dabei auch der Zufall zu Hilfe gekommen. Ed Sullivan, in dessen Show einst auch Elvis Presley groß herausgekommen war, sei, so erzählte George Harrison einmal, rein zufällig, mit den Flugzeug in London angekommen, als dort gerade 10.000 kreischende Teenager die ebenfalls in diesem Moment eingetroffenen “Beatles” begrüßten: “Verdammt, was ist hier los”, soll Sullivan sich damals gefragt und schließlich begonnen haben, sich für diese seltsamen Typen mit ihrem Pilzkopf und dem rüpelhaften Benehmen zu interessieren. Eine schöne Geschichte, doch wahrscheinlicher klingt die etwas nüchternere Version des TV-Moderators Walter Cronkite, der in den Abendnachrichten der CBS einen Bericht über die “Beatlemania” in Großbritannien gebracht hatte – und daraufhin von Ed Sullivan “auf diese vier Typen” angesprochen worden war.
Der zweite Glücksmoment in Epsteins Vorbereitung: Endlich hatte sich der Plattenriese Capitol bereiterklärt, eine Single der “Beatles” in den USA herauszubringen. Bis dahin hatten die Capitol-Manager schnöde abgewunken und das Geschäft mit den “Beatles” in Amerika dem kleinen Vee Jay Label überlassen. Nun waren die Grundvoraussetzung für den Erfolg gegeben, wie sich George Harrison erinnerte: “Wir wussten, dass sich unsere Chancen verbessert hatten, in Amerika einen Hit zu landen, weil wir endlich bei Capitol Records waren und die mussten uns promoten. Die kleineren Labels, die unsere früheren Platten herausgebracht hatten, machten kaum Promotion. Auch Life und Newsweek hatten inzwischen Geschichten zur europäischen Beatlemania gebracht, daher war es für Capitol nicht sonderlich schwierig, sich einfach da dranzuhängen. Capitol tat, wie die “Beatles” hofften und promotete “I want to hold your hand” mit einem für die damalige Zeit beträchtlichen Aufwand – mit dem Erfolg, dass sich die Single in nur zehn Tagen 500.000 Mal verkaufte. Insofern war das Risiko einer Pleite bei dem “Beatles”-Trip über den großen Teich doch eher gering. Fraglich war bloß, ob es dort ebenfalls zu einer vergleichbaren “Beatlemania” kommen würde, wie in Europa.





