Neue Technologien für alte Funde
Um der Antwort auf diese Frage ein Stück näher zu kommen, hat das Varusschlacht-Museum Kalkriese nun ein weiteres, auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt gestartet. Ziel sei es unter anderem, die zahlreichen Funde vom vermeintlichen Schlachtengrund, dem Oberesch, kulturhistorisch einzuordnen und damit den Objekten selbst eine größere Beachtung zukommen zu lassen. In einem Teilbereich des Projekts möchte man mittels moderner Untersuchungsmethoden die größtenteils metallischen Funde näher untersuchen. Die Forscher hoffen, so einen metallurgischen Fingerabdruck erstellen zu können, mit dessen Hilfe die Identität der in Kalkriese kämpfenden Legionen ermittelt werden kann. Dazu dienen auch Vergleiche mit den Fundplätzen in Xanten oder Vindonissa (Schweiz), mit denen man kooperiert.
Licht ins Dunkeln bringen
Weiterhin soll das Forschungsprojekt zwei äußerst ungewöhnliche Fundgruppen in den Mittelpunkt rücken, über die man bislang nur sehr wenig herausfinden konnte: zum einen die sogenannten „Glasaugen”, deren genaue Funktion nicht bekannt ist. Dabei handelt es sich womöglich um Zierelemente für Möbel Sie werden deshalb mit den anderen gefunden Glasaugen aus anderen Fundorten ausführlich verglichen und chemisch analysiert; dazu zählen Haltern, Oberaden, Anreppen, Xanten und Augusta Raurica (Schweiz).
Zum anderen nutzt man erneut moderne Technik, um die zusammengefalteten Bleche, die in Kalkriese entdeckt wurden, digital zu rekonstruieren und schließlich virtuell zu entfalten, also in ihre Ausgangsform zurückführen. Möglicherweise lässt sich auf diese Weise die bis heute unbekannte Funktion der Bleche erklären. Recycelten die siegreichen Germanen hier ihre Beute oder sammelten die römischen Soldaten Altmetall auf, um es für die weitere Verarbeitung zu horten?
Starke Partizipation gewünscht
Während der Projektlaufzeit soll die Öffentlichkeit laufend mit Hilfe der Internetseite des Museums, einem Forschungsblog sowie mittels einer webbasierten Datenbank über die Fortschritte der wissenschaftlichen Arbeit informiert werden. Zusätzlich ist geplant, im Jahr 2020 eine große Sonderausstellung umzusetzen, um die gewonnenen Erkenntnisse abschließend zu präsentieren.
Partner aus vielen Ländern
Das Projekt wird derweil von der Volkswagenstiftung im Rahmen der Förderinitiative „Forschen in Museen” unterstützt. Neben den großen Kooperationspartnern, Deutsches Bergbau-Museum Bochum und Ludwig-Maximilian-Universität München, arbeitet man noch mit vielen weiteren Museen und Forschungsinstituten aus dem In- und Ausland zusammen. Die starke Vernetzung des römischen Imperiums wirkt durch diese Kooperationen bis in die Gegenwart hinein.





