Rätselhafte Klippenstädte
Die präkolumbianische Kultur der Anasazi gibt bis heute Rätsel auf. Vor rund 2100 Jahren tauchte dieses Volk plötzlich wie aus dem Nichts auf und begann, im heutigen Südwesten der USA Siedlungen zu errichten. Auf dem Höhepunkt ihrer Kultur, etwa zwischen 850 und 1140, bauten sie ganze Städte in und auf den steilen Kliffs der Canyons und Mesas. Besonders eindrucksvoll sind die bis zu fünfstöckigen Großhäuser im Chaco-Canyon in New Mexico. Nach Schätzungen von Archäologen lebten dort mehrere tausend Menschen.
Doch woher die Anasazi im kargen Chaco-Canyon die Nahrung für so viele Esser bekamen, blieb bisher offen. Deshalb beschlossen Larry Benson von der University of Boulder und seine Kollegen, sich den Canyon-Grund mittels Analysen genauer anzusehen. Außerdem nutzten die Forscher Baumringe, um das Klima der damaligen Zeit zu rekonstruieren.
Zu trocken und zu salzig
Das überraschende Ergebnis: Weder Klima noch Boden im Chaco-Canyon waren für den Anbau von Mais geeignet – dem Grundnahrungsmittel der präkolumbianischen Indianer. Die Baumringdaten ergaben, dass es in nur 2,5 Prozent der Besiedlungszeit des Chaco-Canyons genügend Regen gab, um Mais gedeihen zu lassen.
Der Boden im Chaco-Canyon und in den anschließenden Nebenschluchten erlaubte keine sonderlich reichen Erträge. Wie Benson und seine Kollegen feststellten, war er deutlich zu salzhaltig und daher kaum als Ackerland geeignet. “Unsere Studie demonstriert, dass die Anasazi einfach nicht genügend Mais auf dem Grund des Canyons heranziehen konnten”, sagt Benson. “Und auch in den Neben-Canyons konnte man nicht so viel Mais anbauen, dass mehrere tausend Menschen davon satt geworden wären.”
Importiert aus den Chusca-Bergen
Das wirft die Frage auf, woher die Anasazi ihre Nahrung bekamen. “Entweder lebten viel weniger Menschen im Chaco-Canyon als man bisher annahm, oder aber sie importierten damals ihren Mais”, sagt Benson. Tatsächlich fanden Archäologen bereits 2015 Hinweise darauf, dass die Anasazi einen Großteil der für ihre Bauten benötigten Baumstämme aus den 75 Kilometer entfernten Chuska-Bergen herantransportiert haben müssen.
Benson und seine Kollegen vermuten nun, dass auch der Mais aus diesem westlich des Chaco-Canyons gelegenen Gebiet stammen könnte. “Es gab Holz, Tongefäße und Feuerstein aus der Chuska-Region im Chaco-Canyon, warum also nicht auch Mais”, so der Forscher. Reichliche Schneefälle im Winter in den Chuska-Bergen verweisen daruaf, dass es dort auch im Frühjahr reichlich Wasser gab. Dieses Wasser könnten die Anasazi zur Bewässerung von Feldern am Fuß der Berghänge genutzt haben.





